Apostel Carsten Denker berichtete beim Gesprächsabend des Kirchenbezirks Minden von seinen Reisen, Begegnungen und Erfahrungen in fünf Ländern.
Mission klingt groß, abstrakt, manchmal fast wie ein Schlagwort aus alten Zeiten. Beim Gesprächsabend der Veranstaltungsreihe DIALOG in der Kirche in Minden wurde daraus ein lebendiges Bild: Apostel Carsten Denker berichtete von seinen Reisen nach Ägypten, Griechenland, Libanon, Türkei und Zypern. Moderiert von Bezirksvorsteher Priester Oliver Rütten, nahmen etwa 70 Gäste vor Ort und über 100 per IPTV-Übertragung teil.
Nicht ohne meine Nivea-Dose
Bevor die eigentlichen Missionsgeschichten begannen, stand eine spannende Frage im Mittelpunkt: Was ist denn das wichtigste Reiseutensil des Apostels? Die Frage stellte Priester Rütten nicht direkt an den Apostel, sondern an die Teilnehmer vor Ort. Ist es das Handy, der Reisepass, die kurze Sporthose? Apostel Denker schmunzelte: „Da kommt ihr nie drauf!“, und lüftete das Geheimnis: „Wenn ich die Nivea-Creme nicht dabeihabe, drehe ich durch“, gestand er lachend. Das Utensil sei fast schon ein Erbe der Mutter, die ihn früh damit eingecremt habe. Die kleinen Dosen begleiten ihn auf allen Reisen – in der Jackettasche, im Handgepäck und wenn er mit dem Auto unterwegs ist, auch in der Mittelkonsole. „Ohne meine Nivea-Dosen geht gar nichts“.
Von Ägypten bis Zypern
Mit einer Präsentation stellte der Apostel die fünf betreuten Länder vor – Karte, Zahlen, viele Bilder und zahlreiche Anekdoten machten die Vorstellung sehr lebendig. Ägypten sei eine Herausforderung: „90 Millionen Einwohner, und wir haben 177 Gemeindemitglieder.“ Besonders beeindruckend seien die Menschen, die trotz Armut und schwierigen Lebensbedingungen einen festen Glauben zeigen. Der Apostel berichtet von einer älteren Glaubensschwester, die bettlägerig war, und sich auf wackeligen Beinen hochkämpft, um das Abendmahl im Stehen zu empfangen. „So viel wert war ihr die Hinnahme des Heiligen Abendmahls“, bemerkte der Apostel bewegt.
Griechenland präsentierte sich sehr unterschiedlich: Athens Gemeinde zählt etwa 20 aktive Mitglieder, in Thessaloniki fänden nur sporadisch Gottesdienste statt. Kreta ist geprägt von kleinen aktiven Gemeinden, wobei ihn besonders ein 82-jähriger Priester immer wieder beeindruckt, der mehrstündige Wege zur Gemeinde auf sich nehme. „Und er fragt nie, wann er in den Ruhestand kommt, …“.
Im Libanon war die politische Lage spürbar, dennoch zeigen die Christen allgemein Präsenz. „An jeder Straßenecke eine Marienstatue, um zu zeigen, dass sie anders gesinnt sind. Sehr bewundernswert“, sagte der Apostel. In der Türkei werde die Kirche geduldet, missionarisches Vorgehen müsse vorsichtig erfolgen. Zypern schließlich, eine eher kleine Insel, rundete die Eindrücke ab, mit aktiven Gemeinden und herzlicher Gastfreundschaft: „Die holen Luft und dann wird mit Vollgas gesungen! Das ist wirklich eine Wonne, diesen jungen Menschen, diesen Glaubensgeschwistern beim Musizieren zuzuschauen und zuzuhören.“
Mission damals und heute
Ein kurzer Gesprächsblock regte zum Nachdenken an. „Warum sprechen wir heute nicht mehr in allen Fällen von Missionsreisen?“ fragte Priester Rütten. Apostel Denker erläuterte, dass die klassische Missionsidee heute andere Formen annimmt. Begegnungen und Austausch stehen im Vordergrund, evangelistische Aktivitäten sind oft situationsabhängig. „Es geht weniger darum, Länder „zu erobern“, sondern den christlichen Glauben zu teilen, zu unterstützen, da zu sein“, so der Apostel.
Besonders herausfordernd sei die Mission in Ländern, in denen Christen nur geduldet sind: „Dort kann man nicht großartig einladen gehen, nicht evangelisieren. Ein offenes Gespräch über den Glauben ist kaum möglich.“ Gleichzeitig spiele digitale Nähe eine wichtige Rolle: „Was sie dort sehr, sehr viel haben, ist, dass über YouTube Gottesdienste übertragen werden. Es gibt persönliche und telefonische Kontakte“, und dann komme auch der eine und andere, um die Gemeinschaft, den Glauben und den Gottesdienst zu erleben.
Eine „Missionsreise“ im Detail
Im folgenden Kurzinterview schilderte Carsten Denker dann persönliche Routinen: Wie viele Reisen er schon hinter sich habe, wer Tickets bucht, wie viele Koffer er mitnehme, wie lange er packe. Nein, vergessen habe er eigentlich noch nichts. Und inzwischen würde er den Koffer manches Mal erst kurz vor der Abreise packen. Er schaffe es auch, dass frisch gebügelte Hemden wieder knitterfrei aus dem Koffer kommen.
Besonders berührend sei die Begegnung mit den Glaubensgeschwistern vor Ort, kleine Gesten, gemeinsame Mahlzeiten, Hausgottesdienste – Momente, die sich einprägen und lange in Erinnerung bleiben.
Offene Gesprächsrunde
Im letzten Teil des Gesprächsabends nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen. In der Gesprächsrunde kam auch die Kraft des Gebets zur Sprache: „Das Gebet in diesen Ländern, ich muss das wirklich so bekennen, das besteht zum größten Teil aus Lob, Preis und Dank. Es sind nur ganz wenig Bitten.“ Die Menschen seien glücklich mit dem Wenigen das sie haben. Und Gemeinschaft, Anteilnahme seien für die Gläubigen oft wichtiger als materielle Hilfe.
Am Ende der Veranstaltung zeigte sich deutlich: „Missionsreisen“ sind auch heute vielfältig, persönlich, herausfordernd und bereichernd zugleich. Es geht um Nähe trotz Distanz, um Gemeinschaft trotz politischer oder kultureller Unterschiede. „Die Menschen dort sind vielleicht geografisch weit weg, aber nah in unseren Herzen“, schloss Apostel Denker.
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