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Gemeinde der Zukunft: Was geht, wenn man es wagt

 

Leitende Geistliche aus drei Kirchenbezirken trafen sich in Minden – um Potenzial zu entdecken, Ideen zu sammeln und mit einem konkreten Vorhaben nach Hause zu fahren.

Am Samstag, 6. Juni 2026, trafen sich rund 25 leitende Geistliche aus den Kirchenbezirken Ostwestfalen-Lippe, Osnabrück und Minden zu einem ganztägigen Workshop in Minden. Thema: die Gemeinde der Zukunft. Eingeladen hatte Apostel Carsten Denker, der für den Arbeitsbereich Nord zuständig ist. An seiner Seite: Bischof Thomas Wiktor. Die Moderation übernahmen Bezirksvorsteher Priester Oliver Rütten und Diakonin Larissa Piora.

Der Kreis der Teilnehmer zeigte, was der Tag leisten sollte: Bezirksvorsteher und Gemeindevorsteher sowie deren Vertreter – also diejenigen, die in ihren Gemeinden unmittelbar Verantwortung tragen – saßen an einem Tisch, um vorhandenes Potenzial neu zu entdecken, Ideen zu sammeln und Impulse zu entwickeln. Was sie erarbeiteten, nehmen sie als Impuls zurück in ihre Gemeinden, um zu beraten und umzusetzen.

Ermöglicher statt Verhinderer

Apostel Denker eröffnete den Workshop mit einem Gebet und gab der Veranstaltung früh eine Richtung. Kirche und ihre Leitungsverantwortlichen sollten nicht in erster Linie darauf bedacht sein, Entwicklungen zu bremsen oder abzusichern: „Wir wollen Ermöglicher sein, keine Verhinderer", sagte er in seiner Begrüßung. 

In einem strategischen Impuls der Kirchenleitung, den Bezirksvorsteher Rütten entfaltete, ging es um die Grundfrage des Konzepts: nicht Programme und Strukturen, sondern Haltungen entscheiden darüber, ob eine Gemeinde wachsen und wirken kann. Besonders im Bereich Seelsorge, so Rütten sinngemäß, sei Qualität keine Frage der verfügbaren Zeit, sondern der Nähe und Beziehung.

Vier Felder, drei Arbeitsphasen

Der inhaltliche Rahmen des Workshops gliederte sich in vier Themenfelder: Mission, Seelsorge, Gemeindeleben und Gottesdienst. Diesen Feldern näherten sich die Teilnehmer in drei aufeinanderfolgenden Arbeitsphasen, die methodisch unterschiedlich angelegt waren.

Die erste Phase – „Entdeckertour" – fragte nach vergangenen Erfahrungen: Was hat funktioniert? Welche Begegnungen haben Wirkung gezeigt? In der zweiten Phase unter dem Titel „I have a dream" richtete sich der Blick nach vorn: Wie könnte die Gemeinde aussehen, wenn Glaube selbstverständlich geteilt, Seelsorge, auf echten Beziehungen gründet und der Gottesdienst Menschen wirklich erreicht? Die dritte Phase schließlich – die „Starfish-Runde" – stellte die handlungsorientierteste Frage: Was soll mehr werden, was weniger, was neu beginnen, was aufhören?

Was die Gruppen erarbeiteten

In vier Gruppen arbeiteten die Teilnehmer an den Flipcharts und füllten die Themenfelder mit konkreten Beobachtungen und Ideen. Im Bereich Mission nannten sie etwa Erlebnisse am Infomobil beim Stadtfest, persönliche Ansprache, Kontakte durch ökumenische Veranstaltungen und Trauerfeierlichkeiten als Zugänge zu Menschen außerhalb der Gemeinde. Für die Zukunft wünschten sie sich eine Gemeinde, in der Glaube selbstverständlich weitergegeben wird – offen nach innen und außen.

Beim Thema Seelsorge benannten die Teilnehmer konkrete Erfahrungen: ein Geistlicher, der sich einen Nachmittag für ein ausführliches Gespräch freihielt, eine kurze WhatsApp-Nachricht, die eine Schwester erfreute, ein spontanes, gemeinsames Gebet oder auch eine Mitfahrgelegenheit, aus der ein langes Glaubensgespräch wurde. Das Fazit, das eine Gruppe am Ende ihres Flipcharts festhielt, brachte es auf den Punkt: Das ‚Warum' – also die Frage nach dem, was den anderen wirklich bewegt – sei immer der Kern echter Seelsorge. Im Blick auf die Zukunft sprachen die Gruppen von Gemeindebesuchen mit Gebet, Seelsorge nach dem Gottesdienst, Gemeindefesten, Gemeinschaftswochenenden und dem Einsatz digitaler Medien.

Im Bereich Gemeindeleben und Gottesdienst fanden sich Ideen wie eine inhaltliche Einstimmung vor dem Gottesdienst durch Bild und Bibelwort, Patenschaftsmodelle, stärkere Einbindung von Jugendlichen und Kindern, Bibellesungen, Fürbittgebete, Einsatz weiterer musikalischer Gruppen und der Wunsch nach Predigtfortbildung; Gottesdienste sollen inhaltlich gestärkt werden.

Die Mittagspause bot Gelegenheit zum informellen Austausch, der die Gruppenarbeit am Nachmittag noch einmal erkennbar beeinflusste.

Persönliche Agenda statt Einheitsliste

Die Starfish-Methode, die in der dritten Arbeitsphase zum Einsatz kam, strukturierte die Rückmeldungen in fünf Kategorien: mehr machen, neu starten, weiter so machen, weniger machen und stoppen. Dabei galt ausdrücklich: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Was für einen Teilnehmer aufgrund seiner Erfahrungen dringend auf die Stoppliste gehört, kann für einen anderen in einer anderen Gemeinde ein interessanter Ansatz sein, den er erstmals ausprobieren möchte. Die Starfish-Runde war damit die Phase, in der jede und jeder die eigene persönliche Agenda formulierte. Konsens war dabei ausdrücklich nicht das Ziel, sondern der persönliche Vorsatz.

Erkennbar war dennoch, dass viele Teilnehmer sich eine stärkere Öffentlichkeitspräsenz wünschten, bezirksübergreifende Veranstaltungen und mehr Austausch über Erfolge. Auf der Stoppliste stand unter anderem das Verbreiten negativer Stimmung und ein Debattieren ohne anschließendes Handeln.

Einen Punkt mitnehmen, einen umsetzen

Den Abschluss des Workshops bildete eine Feedbackrunde, bevor Apostel Denker mit Schlussworten und Gebet den Tag beschloss. Diakonin Piora hatte den Teilnehmern schon zu Beginn des Nachmittags mitgegeben, worum es geht: „Tu, was du kannst, da wo du bist, mit dem, was du hast." Beim Abschluss bekräftigte sie: „Es geht nicht darum, wer am meisten macht. Es ist kein Wettbewerb, sondern es geht darum, Inspiration zu sammeln. Wenn jeder einen Punkt mitnimmt und umsetzt, ist das Ziel erreicht." Der Wunsch, sich über Erfahrungen auszutauschen – was gelingt, was nicht –, war unter den Teilnehmern mehrfach ausgesprochen.

12. Juni 2026
Text: or
Fotos: or

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