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Amtsverständnis-Seminar: Dienst braucht Grundlage

 

Vollmacht auf Lebenszeit, Auftrag auf Zeit – und dazwischen der Alltag. Was das Amt theologisch, aber auch praktisch bedeutet, diskutierten Geistliche in Minden.

Zu einem weiteren Seminar kamen 15 Geistliche des Kirchenbezirks in der Kirche Minden zusammen. Diakoninnen, Diakone und Priester – darunter drei mit Gemeindeleitungsfunktion – nahmen an einem zweiteiligen Seminar teil, das sich einem zentralen Thema widmete: dem Amtsverständnis in der Neuapostolischen Kirche. Die Bandbreite der Gruppe reichte von Geistlichen mit wenigen Monaten Amtstätigkeit bis hin zu solchen, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Dienst stehen. Als Referent leitete Priester Christian Schug die Veranstaltung; er ist Mitglied des Lenkungsgremiums der AG Fortbildung der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland.

Dienst mit Auftrag und Vollmacht

Der erste Seminarteil am Freitagabend, 21. März 2026, begann mit einer Einheit zu Vision und Mission der Neuapostolischen Kirche. Priester Schug erläuterte, wie die Kirche ihre Aufgabe versteht: zu allen Menschen hinzugehen, das Evangelium zu verkünden und Seelsorge zu leisten. Ausgangspunkt war die Frage, was Geistliche täglich antreibt – und wie sich diese Motivation im Umgang mit Gemeindemitgliedern und Gästen zeigt.

Anschließend behandelte das Seminar die Rechte und Pflichten der Geistlichen. Dabei standen kirchenrechtliche Regelungen im Mittelpunkt: das Recht auf Information, auf Fürsorge und Erholung, aber auch der Anspruch auf persönliche Seelsorge für die Geistlichen selbst und ihre Familien. Thematisiert wurden außerdem die Schweigepflicht in der seelsorgerischen Arbeit sowie der Verhaltenskodex zur Prävention sexualisierter Gewalt, zu dem alle Amts- und Funktionsträgerinnen und -träger eine Verpflichtungserklärung abgeben.

Vollmacht, Beauftragung, Ordination

Den inhaltlichen Kern des Freitagabends bildete das Kapitel zum Amtsverständnis. Priester Schug legte dar, was ein geistliches Amt in der NAK theologisch und kirchenrechtlich ausmacht. Ein Amt umfasst demnach zwei Dimensionen: die Amtsvollmacht – die durch Ordination verliehene Berechtigung, im Namen des dreieinigen Gottes zu handeln und zu sprechen – und den Amtsauftrag, der die konkrete Übertragung von Rechten und Pflichten in einem räumlich und zeitlich festgelegten Rahmen beschreibt. Unterschieden wurden drei Formen der Einsetzungshandlung: Ordination, Beauftragung und Ernennung. Während die Ordination auf Lebenszeit gilt, sind Beauftragung und Ernennung an die jeweilige Funktion und Amtstätigkeit gebunden.

Seelsorge – und ihre Grenzen

Am Samstagmorgen, 22. März 2026, setzte sich die Gruppe mit dem Thema Seelsorge auseinander. In einem ersten Schritt erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam, welche Begriffe sie mit Seelsorge verbinden, und tauschten sich über eigene Erfahrungen aus. Anschließend wurden praktische Aspekte besprochen: wie Seelsorgebesuche organisiert werden, welche Zuständigkeiten es gibt und wie Teams gebildet werden können, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.

Explizit thematisiert wurden auch die Grenzen der Seelsorge: Geistliche sollen keine medizinischen Diagnosen stellen, nicht gegen den Rat von Fachleuten sprechen und keinen rechtlichen oder finanziellen Rat erteilen. Zugleich wurde die Balance zwischen Beruf, Familie, Amt und persönlichen Bedürfnissen in den Blick genommen. Die eigene Erholung, so der Referent sinngemäß, sei keine Schwäche, sondern Voraussetzung für einen dauerhaften und verantwortungsvollen Dienst.

Mit vier Ohren im Gottesdienst

Das Kapitel zur Kommunikation griff Modelle der Kommunikationstheorie auf und machte sie für den geistlichen Alltag fruchtbar. Die Gruppe arbeitete mit dem Vier-Seiten-Modell nach Schulz von Thun und diskutierte, wie Missverständnisse entstehen – zwischen Sender und Empfänger, in Gesprächen unter Geistlichen, aber auch in der Seelsorge.

Besonders im Blick: implizite Botschaften, nonverbale Signale und der Umgang mit digitalen Kommunikationsmitteln. Die zentrale Botschaft lautete sinngemäß: Kommunikationsstörungen lassen sich reduzieren, wenn Geistliche ihre eigene Sprache und ihr Auftreten bewusster wahrnehmen – und aktives Zuhören als Kernkompetenz begreifen.

Gottesdienst vorbereiten – mehr als Predigt

Den Abschluss des Seminars bildete ein Kapitel zur Vorbereitung auf Gottesdienst und Predigt. Priester Schug führte aus, dass Gottesdienst mehr umfasst als die Wortverkündigung – er ist Wirken Gottes am Menschen und zugleich Werk des Menschen für Gott. Die Vielschichtigkeit wird auch im Liturgiebuch deutlich, dass immer wieder angesprochen wurde. Praktisch besprochen wurden die Aufgaben vor, während und nach dem Gottesdienst, vom Herrichten des Gottesdienstraums über die Begrüßung der Gemeinde bis hin zur Verabschiedung.

Für die Predigtvorbereitung empfahl das Seminar: beten, Leitgedanken lesen, Kerngedanken herausarbeiten und den Predigtbeitrag inhaltlich vorbereiten. Ausdrücklich hingewiesen wurde darauf, dass Internetrecherche und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz allenfalls für Sachthemen und das Auffinden von Bibelstellen geeignet seien – zum Schreiben einer Predigt jedoch unter keinen Umständen genutzt werden sollten.

Fortbildung als fester Bestandteil des Dienstes

Für die leibliche Versorgung der Gruppe sorgte Diakonin Ute Horstbrink aus Minden, die Abendessen, Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen bereitstellte und damit wesentlich zur Atmosphäre der Veranstaltung beitrug.

Das Seminar setzte die Fortbildungsreihe des Vorjahres fort. Die Veranstaltungen greifen inhaltlich ineinander und vertiefen unterschiedliche Aspekte des geistlichen Dienstes. Weitere Seminare für Geistliche im Kirchenbezirk Minden sind für das laufende Jahr bereits geplant. Aus- und Fortbildung gelten dabei nicht als optionaler Zusatz, sondern als fester Bestandteil des ehrenamtlichen geistlichen Dienstes.

Die Wege dorthin sind vielfältig: Eigenstudium, Präsenzseminare vor Ort, Online-Angebote oder Fortbildungszentren der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland. Seit Jahresbeginn ergänzt die nac.academy als E-Learning-Plattform der Neuapostolischen Kirche International das Angebot – mit kompakten Lernmodulen in vielen Sprachen, darunter auch Deutsch.

30. März 2026
Text: or
Fotos: or

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