Wer eine Predigt vorbereitet, denkt nicht nur an Worte – sondern an Wirkung. Ein Tag voller Impulse, Austausch und Aha-Momente für Geistliche aus Minden.
Ehrenamtlich tätige Geistliche des Kirchenbezirks Minden trafen sich am Samstag, 15. November 2025, zu einem Tagesseminar unter der Leitung von Hirte Helmut Grüning. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Fortbildung der NAK Westdeutschland und führte ein Dutzend Teilnehmer durch einen intensiven Tag rund um Predigtvorbereitung und Predigtdurchführung. Ziel war es, die eigenen Methoden zu reflektieren, Impulse für die Praxis zu sammeln und das gemeinsame Lernen zu stärken.
Die Predigtvorbereitung sei kein Selbstläufer, erklärte der Seminarleiter: „Die Grundvoraussetzung für jede Predigt ist das intensive Gebet um das rechte Empfinden göttlicher Gedanken. Wer gut vorbereitet ist, schafft Raum für das Wirken des Heiligen Geistes.“ Dabei betonte er immer wieder die Bedeutung eines strukturierten Ablaufs: Vom Lesen der Leitgedanken über die Einordnung des Bibelwortes bis hin zur Übertragung in den Lebensalltag der Zuhörenden – jeder Schritt sei essenziell für eine gehaltvolle Predigt.
Predigt ist kein Spontanvortrag
„Es genügt nicht, die Leitgedanken einfach nur oft zu lesen. Strukturen und Inhalte müssen erarbeitet sein“, so Grüning. Die Teilnehmer reflektierten ihre eigenen Vorbereitungsgewohnheiten, diskutierten Techniken wie Mindmaps oder Kerngedankenkarten und tauschten sich über Herausforderungen bei der Umsetzung aus. Dabei wurde deutlich: Eine Predigt lebt nicht nur vom Inhalt, sondern auch von der Form. Zur Rhetorik erläuterte der Referent: „Deutliche Aussprache, angemessenes Tempo und Blickkontakt erleichtern das Zuhören enorm.“ Auch der Einsatz von Beispielen aus der Bibel oder dem persönlichen Umfeld helfe, die Botschaft greifbar zu machen.
Welche Quellen helfen wirklich?
Neben Struktur und Rhetorik war ein weiterer Seminarschwerpunkt die Auswahl und Nutzung von Literatur für die Predigtvorbereitung. Hirte Grüning erläuterte: „Bibel und Katechismus bleiben – neben den Leitgedanken – die Grundlage. Alles andere sind Hilfsmittel, die uns Orientierung bieten.“ Dazu zählen die Buchreihe „Lehre und Erkenntnis“, Konkordanzen, Lexika und auch spezielle Auslegungsbibeln wie die Wuppertaler Studienbibel. Auch Kirchenmedien wie nac.today oder das Kirchenmagazin „neuapostolisch“ liefern Impulse. Ziel ist nicht, ein fertiges Predigtmanuskript zu übernehmen, sondern die eigenen Gedanken zu stützen und durch fundierte Hintergrundinformationen zu erweitern. Der Referent betonte: „Eine gute Predigt entsteht nicht durch das Kopieren von Literatur – sie wird lebendig, wenn wir das Wort Gottes durch unser Herz gehen lassen.“
Bibelwissen hilft – aber nur, wenn man es nutzt
Im Laufe des Tages wurde das erlernte Wissen spielerisch überprüft: Ein kleines Bibelquiz sorgte für lebhafte Diskussionen. Eine Vielzahl von Fragen wie: Wer sind die Verfasser der Evangelien? Wann sah Stephanus den Himmel offen und Jesus zur Rechten Gottes stehen? Wie reagierten Abraham und Sara auf die Verheißung, dass sie im hohen Alter noch einen Sohn bekommen sollten? zeigten schnell, dass selbst vermeintlich bekannte Bibelstellen zum Nachdenken und Nachschlagen anregen können. Das Quiz war nur ein kleiner Teil des Tages, aber ein Effekt war deutlich spürbar: Die Teilnehmenden merkten, wie wichtig es ist, Inhalte wirklich zu verstehen, um sie in Predigten korrekt weiterzugeben.
Vom Bibelwort zum Gemeindeleben
Grüning machte klar: Predigten sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Orientierung und praktische Impulse geben. „Wir predigen nicht für die Wand, sondern für Menschen“, erklärte er. Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, wie biblische Botschaften in aktuelle Lebenssituationen übertragen werden können. Anhand von Beispielen aus Leitgedanken und Bibeltexten erarbeiteten sie, wie man Kernaussagen strukturiert und verständlich vermittelt. Notizen begleiteten den ganzen Tag über die intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten.
Gemeinschaft stärkt den Dienst
Neben inhaltlichen Impulsen bot das Seminar auch Raum für Austausch und Gemeinschaft. Die gemeinsamen Mahlzeiten – Pizza und Pasta zum Mittag, Kaffee und Kuchen am Nachmittag – und die Gespräche zwischendurch stärkten das Gefühl, nicht allein in der Verantwortung zu stehen. Die Atmosphäre ermöglichte es, Ideen zu diskutieren, Methoden zu hinterfragen und Erfahrungen zu teilen.
Zum Abschluss fasste ein Teilnehmer zusammen: „Es tut gut, zu spüren: Kirche tut etwas für ihre Ehrenämter. Wir tragen Verantwortung – aber wir gehen nicht allein.“
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