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Liturgie-Seminar: Mehr als nur Ritual

 

Ein Kreis von Geistlichen versammelt sich am Altar, hört zu, fragt nach und probiert aus. In Minden zeigt sich: Aus- und Fortbildung bleibt ein Schlüssel kirchlicher Arbeit.

Der Altar stand im Mittelpunkt eines Fortbildungsseminars für Geistliche, das am Samstag, 17. Januar 2026, in der Kirche in Minden stattfand. Amtsträgerinnen und Amtsträger aus dem Kirchenbezirk Minden sowie aus Nachbargemeinden kamen zusammen, um sich intensiv mit dem Thema „Das Amt: Liturgie und Sakramente“ auseinanderzusetzen. 

Geleitet wurde das Seminar von Priester Christian Schug aus der Arbeitsgruppe Fortbildung der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland. Bereits nach der Vorstellungsrunde wurde die Bandbreite der Geistlichen deutlich: Einige übten ihren Amtsauftrag erst seit rund einem Jahr aus, andere blickten auf vier Jahrzehnte Erfahrung zurück. Der Referent dankte ausdrücklich für dieses Vertrauen und den Willen zur Weiterbildung – gerade auch trotz großer Vorkenntnisse. Fortbildung, so wurde deutlich, sei kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Ausdruck verantwortungsvollen Handelns.

Ehrenamt braucht Fundamente

Dass alle Geistlichen ihren Dienst ehrenamtlich ausüben, prägte den Charakter des Tages. Aus- und Fortbildung erhielten dadurch besonderes Gewicht. Sie dienen nicht nur der persönlichen Sicherheit im Amt, sondern auch der Einheitlichkeit und Verlässlichkeit kirchlichen Handelns. Ziel des Seminars war es, liturgische Abläufe bewusster zu gestalten, ihre theologischen Grundlagen zu verstehen und Handlungssicherheit zu gewinnen.

Als Grundlage dienten unter anderem die international gültigen Werke „Richtlinien für Geistliche“ und „Das Liturgiebuch“. Sie geben den verbindlichen Rahmen für Gottesdienste und Sakramentshandlungen vor und bildeten den roten Faden durch die einzelnen Einheiten. Theorie und Praxis griffen dabei eng ineinander.

Der Altar als geheiligter Ort

Zu Beginn stand die Bedeutung des Altars im Fokus. Er wurde als geistliches Zentrum des Gottesdienstes beschrieben, an dem Wortverkündigung und Sakramente zusammenkommen. Der Referent machte deutlich, dass der Altar mehr ist als ein funktionaler Ort. Seine Geschichte, seine Stellung im Kirchenraum und die Haltung der Diensttuenden vor ihm tragen eine klare theologische Aussage.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Heiligung vor dem Gottesdienst thematisiert. Gebet, innere Sammlung und bewusste Vorbereitung wurden als unverzichtbar beschrieben. Nicht äußere Form, sondern innere Haltung sei entscheidend, um der Heiligkeit des Ortes gerecht zu werden und der Gemeinde Orientierung zu geben.

Ordnung gibt Halt

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Liturgie als verbindlicher Ordnung des Gottesdienstes. Schritt für Schritt wurden die einzelnen liturgischen Stücke erläutert, beginnend mit dem Eingangslied und dem trinitarischen Eingang. Auch die drei frei gesprochenen Gebete wurden in Aufbau, Inhalt und Funktion besprochen.

Das Verlesen des Bibelwortes, die mögliche Bibellesung sowie Predigt und Predigtzugaben bildeten den nächsten Abschnitt. Dabei wurde betont, dass die Liturgie keine starre Abfolge sei, sondern einen verlässlichen Rahmen biete. Sie schaffe Einheitlichkeit und helfe Geistlichen, sich im Dienst sicher zu bewegen. Bußlied, Sündenfreisprache und Abendmahlsliturgie wurden als bewusst gesetzte Schritte eingeordnet, die den Gottesdienst strukturieren und vertiefen.

Sakramente verstehen und vollziehen

In einem weiteren Teil wurden die Sakramente in den Blick genommen. Dabei ging es sowohl um ihr theologisches Verständnis als auch um ihre liturgische Umsetzung. Besonders das Heilige Abendmahl stand im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden setzten sich mit der Bedeutung der einzelnen Schritte auseinander und reflektierten, wie diese verständlich und würdig vollzogen werden können.

Auch andere Sakramente wurden angesprochen, allerdings bewusst konzentriert. Ziel war nicht Vollständigkeit, sondern ein Grundverständnis für Zusammenhänge und Verantwortlichkeiten. Kurz wurde auch der Wortgottesdienst ohne Sakramente eingeordnet und als eigenständige, klar geregelte Gottesdienstform benannt, die Diakoninnen und Diakone bei Abwesenheit eines Priesters feiern.

Üben am Altar

Nach den theoretischen Einheiten folgte ein praktischer Teil direkt am Altar. Hier konnten die Geistlichen die besprochenen Inhalte einüben. Geübt wurden das Anreichen und Empfangen des Abendmahlkelchs und der Patene sowie die Darreichung der Hostie an Gemeindemitglieder. Auch die Heilige Wassertaufe wurde praktisch „durchgespielt“.

Der praktische Teil bot Raum für Rückfragen und Korrekturen. Abläufe, die im Gemeindegottesdienst oft selbstverständlich erscheinen, wurden bewusst verlangsamt und reflektiert. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, Unsicherheiten anzusprechen und voneinander zu lernen.

Austausch auch außerhalb des Seminarraums

Neben den inhaltlichen Einheiten spielte der Austausch untereinander eine wichtige Rolle. Dieser fand nicht nur im Seminarraum statt, sondern auch beim gemeinsamen Mittagessen in der Kirche sowie bei Kaffee und Kuchen am Nachmittag. Gespräche über Erfahrungen, unterschiedliche Gemeindesituationen und persönliche Fragen ergänzten das formale Programm.

Dabei wurde deutlich, dass Fortbildung auch Begegnung ist. Der Austausch zwischen Geistlichen mit unterschiedlicher Erfahrung wurde von vielen als Gewinn empfunden und trug zur offenen Atmosphäre des Tages bei.

Teil einer Fortbildungsreihe

Das Seminar setzt die Seminarreihe des Vorjahres fort. Die Veranstaltungen greifen ineinander und vertieften unterschiedliche Aspekte des geistlichen Dienstes. Weitere Seminare für Geistliche im Kirchenbezirk Minden sind für dieses Jahr bereits geplant.

Aus- und Fortbildung sind kein Zusatz, sondern ein fester Bestandteil ehrenamtlichen geistlichen Dienstes – zum Nutzen der Amtsträgerinnen und Amtsträger und der Gemeinden gleichermaßen. Und diese Fortbildung findet auf vielen Wegen statt: im Eigenstudium, in Präsenzseminaren vor Ort im Kirchenbezirk Minden sowie online oder in den Fortbildungszentren der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland. 

Seit Jahresbeginn gibt es darüber hinaus die nac.academy, eine E-Learning-Plattform der Neuapostolischen Kirche International, die den Geistlichen weltweit kompakte Lernmodule in vielen Sprachen anbietet – auch in Deutsch. 

22. Januar 2026
Text: or
Fotos: or

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