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Andacht auf dem Franzosenfriedhof: Worte gegen das Schweigen

 

Am Totensonntag kamen Gläubige aus verschiedenen Gemeinden zur ökumenischen Andacht auf dem Franzosenfriedhof zusammen. In der Mittagssonne standen Erinnerung, Mahnung und gemeinsames Beten im Mittelpunkt.

Der Franzosenfriedhof lag still, als sich am Sonntagmittag Menschen aus umliegenden Gemeinden versammelten. Die ökumenische Andacht zum Totensonntag/Ewigkeitssonntag führte sie an einen Ort, der seit Jahrzehnten für Innehalten und Erinnern steht. Ein Chor aus Gemeindemitgliedern eröffnete die Feier und setzte den ersten musikalischen Akzent. Die Stimmen trugen weit über die Gräber hinaus und gaben den Rahmen für einen Nachmittag, der Gedenken und Hoffnung zusammenführte.

Worte, die tragen sollen

Nach Begrüßung, Anrufung und Gebet wandte sich Hirte i. R. Lothar Ney an die Teilnehmenden. In seiner Ansprache erinnerte er an die besondere Bedeutung des Franzosenfriedhofs. „Dieser Ort steht wie manch anderer für Mahnung, Gedenken und Nachdenken“, sagte er. Viele der hier liegenden Schicksale seien heute längst zeitlich entrückt. „Hier können wir, weil nicht selbst erlebt, dem Grauen nachspüren. Grauen, welches durch Kriege entsteht.“

Er verwies auf den Gedanken des Textdichters André Heller, wonach die Generation aussterbe, die aus eigenem Erleben von sich sagen konnte: „Nie wieder Krieg!“ Für viele habe es eine Phase gegeben, in der es schien, als sei der große Krieg überwunden. „In Wahrheit gab es immer wieder Kriege im Kleinen“, führte Hirte Ney aus. Er nannte Konflikte in Afrika, Terrorereignisse in verschiedenen Regionen der Welt und den russischen Angriff auf die Ukraine. All dies zeige, dass Gewalt zurückgekehrt sei – manchmal schleichend, manchmal unverkennbar. „Spüren diejenigen, die solche Kriege anzetteln, das Grauen nicht mehr?“, fragte er.

Der Ruf nach Frieden

An diesen Gedanken schloss er eine theologische Perspektive an. Der christliche Friedensgruß „Friede sei mit euch!“ klinge in der Gegenwart oft leise. Hirte Ney verwies auf Worte, deren Autor er nicht habe ermitteln können, die ihn jedoch besonders bewegten: Sie handelten vom „ersten Frieden“, der dem Menschen selbst verloren gehen könne. Auch der Römerbrief klang an: „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“

Hirte Ney rief dazu auf, am Ort selbst aber auch zur Ruhe zu kommen. „Lassen wir uns von diesem Ort berühren und zunächst unseren eigenen Frieden finden“, sagte er. Von dort aus gelte es, Friedensgedanken weiterzutragen. Hoffnung knüpfte er an die Worte des Propheten Jesaja: „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen…“ Auch die neue Jahreslosung der evangelischen Kirche fand Erwähnung: „Siehe, ich mache alles neu!“ – ein Ausblick, der den umfassenden Frieden Gottes in der Wiederkunft Christi einschließe.

Gemeinsam erinnern, gemeinsam beten

Der Chor der Neuapostolischen Kirche setzte nach der Ansprache erneut ein. Im Anschluss folgte ein Beitrag von Pfarrer Clemens Becht aus der evangelischen Gemeinde Sankt Lukas in Minden. Seine Ausführungen ergänzten die ökumenische Feier.

Die Andacht mündete in das gemeinsam gesprochene Vaterunser. Danach folgten Gebet und Segen, gesprochen in der stillen Atmosphäre des Friedhofs. Der Chor beschloss das Zusammensein mit einem letzten Lied, das viele Teilnehmende noch einen Moment verweilen ließ.

Am Ende löste sich die Gruppe langsam auf. Einige standen noch eine Weile zwischen den Gräbern, andere suchten das Gespräch. Viele nahmen die Worte der Andacht sichtbar nachdenklich mit.

Von der Trauer zur Hoffnung: Der Franzosenfriedhof als Symbol

In Minden, im Stadtteil Minderheide, befindet sich der Franzosenfriedhof. Er erinnert an ein Kriegsgefangenenlager aus dem Ersten Weltkrieg, in dem Soldaten aus verschiedenen Nationen, darunter Franzosen, Belgier, Briten, Italiener, Serben und Soldaten aus den Kolonien, untergebracht waren.

Im Jahr 2014 wurde auf Initiative der neuapostolischen Kirchengemeinde Minden, in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Minderheide und Pfarrer Clemens Becht von der evangelisch-lutherischen Gemeinde St. Lukas, erstmals eine ökumenische Andacht auf dem Franzosenfriedhof abgehalten. Begleitet wurden diese Aktivitäten im Rahmen von Aufräumarbeiten auf dem Gelände sowie Reparaturen an den Denkmälern. Dadurch hat dieser Ort mittlerweile eine besondere Bedeutung als Zeugnis für die Folgen von Krieg und Verfolgung erlangt.

26. November 2025
Text: or
Fotos: th

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