Minden. Am Palmsonntag, 02.04.2023, besuchte Bischof Michael Eberle die Gemeinde Minden. Eingeladen waren alle Konfirmationsjubilare aus dem Kirchenbezirk Minden, welche in den letzten drei Jahren aufgrund der Corona-Pandemie ihr persönliches Jubiläum nicht feiern konnten.
Vor Beginn der Predigt wurde in einer Lesung den Anwesenden der Einzug Jesus in Jerusalem am Palmsonntag bildhaft vermittelt.
Grundlage für den Gottesdienst war das Bibelwort aus Johannes 12,15.16: „Fürchte Dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, Dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen“ Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, dann dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte.“
Das große Missverständnis
Auf dieses besondere Geschehen und die damit verbundene Erwartungshaltung des jüdischen Volkes ging der Bischof in der Predigt besonders ein. Die Juden erwarteten eine politische Veränderung von Jesus. Sie gingen davon aus, dass er als Herrscher sie vom Joch der Römer befreien würde. Doch dies war ein großes Missverständnis. Die Herrschaft Jesus bezog sich auf das Reich Gottes, welches alle weltlichen Reiche überdauern wird. Als das jüdische Volk erkannte, dass ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden, wandte es sich von Jesus ab und verkehrte ihre Hosianna-Rufe ins Gegenteil.
Prüfet die Geister
Der Bischof riet der Gemeinde, Lehren für die Gegenwart und Zukunft aus der Rückschau auf das damalige Geschehen zu ziehen. Er stellte der Gemeinde die Frage, ob sie noch in ständiger Verbindung zum Herrn steht. Die vielfältigen Angebote der heutigen Medien können zu falschem Handeln verleiten. Deshalb ist es ratsam, sein Handeln zu überprüfen. Insbesondere dahingehend, ob die eigenen Bedürfnisse vom Herrn gelenkt und gesteuert werden. Es gilt stets, die Geister zu prüfen, mit denen man sich einlässt.
Gottesfurcht hat nichts mit Angst zu tun
An die Konfirmationsjubilare wandte sich Bischof Eberle mit dem Konfirmationsspruch von 1973 aus Sprüche 14,26. „Wer den Herrn fürchtet, der hat eine sichere Festung.“ Damit sei kein Duckmäusertum, keine Angst beschrieben, sondern das Gegenteil. Die Ausrichtung nach Gottes Willen ist die Voraussetzung für seinen Segen. Vor 25 Jahren war dieses Versprechen Gottes Inhalt des Konfirmationsspruchs aus 1. Mose 12,2 „Ich will dich segnen…und du sollst ein Segen sein!“
Am Beispiel Abrahams machte er der Gemeinde deutlich, dass Segen nichts mit Logik, sondern mit Gottvertrauen zu tun hat. Als die Hirten von Lot und Abraham sich um das Land stritten, gab Abraham seinem Neffen Lot die freie Wahl um des Friedens willen. Er war bislang mit Gott seinen Weg gegangen. Obwohl er das schlechtere Land bekam und ihm seine Zukunft nicht bekannt war, vertraute er auf den Herrn.
Auch in der heutigen Zeit ist es wichtig, nicht mit falschen Erwartungen und falsch belegten Bitten, dem Herrn zu begegnen.
Sich auf den Herrn einlassen
Bezirksevangelist Thomas Wiktor unterstrich in seinem Predigtbeitrag die Aussagen des Bischofs. Er riet den Gläubigen, sich auf Gott einzulassen und dann mit ganz anderer Sicht auf das eigene Leben zu schauen. Gott kümmert sich auch um unsere irdischen Probleme. Im Rückblick werden jene Jubilare sagen, welche vor 75 Jahren ihren Konfirmationssegen erhalten haben, dass nicht immer alles glatt gelaufen ist. Es galt auch, einmal stille zu sein, sich zurückzunehmen und Gott machen zu lassen und auf ihn zu hören. Manchmal hat Gott anders entschieden, als ein Segensträger versprochen hatte. Bei ihm ist alles möglich. Auch wenn menschliche Vorstellungen manchmal anders sind, riet er sich trotzdem führen zu lassen. Für die Zukunft gab er den abschließenden Rat, so weiter zu machen.
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