Westdeutschland/Minden. Seit dem 30. Juli 2023 dient Carsten Denker im Apostelamt. Zuvor war der 51-Jährige als Bezirksevangelist im Bezirk Minden tätig. Im Interview berichtet er von ersten Reaktionen in seinem Arbeitsbereich und von seinem Lernprozess als neuer im Kreis der Apostel.
Apostel, Sie haben die ersten hundert Tage im Amt absolviert – was hat sich seit dem 30. Juli 2023 in Ihrem Leben verändert?
In meinen Privatleben hat sich wenig geändert, in meinem Berufsleben natürlich alles. Aus meiner bisherigen Tätigkeit als Vertriebsmitarbeiter in einem Logistikunternehmen bin ich ausgeschieden und zum 1. August in den Kirchendienst eingetreten. Das war etwas Neues für mich.
Ich hatte zwar einige Erfahrungen als Amtsträger auf Bezirksebene, aber mit dieser großen Verantwortung und all dem, was mit einem Apostelamt verbunden ist, war mir natürlich nicht bewusst. Deshalb hat sich für mich ab dem Tag der Ordination alles geändert: Tagesablauf, Arbeitsabläufe, die damit verbunden sind, Intensität der Aufgaben, was dahintersteckt; das war alles neu für mich. Deswegen ist es bis heute noch so, dass für mich jeder Tag immer wieder etwas Neues mit sich bringt und ich im Moment noch sehr viel lerne.
Was hat denn in dieser Zeit geholfen?
Ich bin sehr dankbar für die enge Zusammenarbeit mit Apostel Pöschel. Er hat mich von Anfang an unterstützt, auch liebevoll in die Bezirke eingeführt. Wir sind die erste Zeit viel gemeinsam unterwegs gewesen und in dem Zug hat er mich in den Gemeinden vorgestellt. Das war für mich hilfreich und ich bin dankbar, dass das so umsetzbar war.
Wann haben Sie zum ersten Mal davon erfahren, dass Sie das Apostelamt empfangen sollen?
Ich bekam etwa sechs bis sieben Wochen vor der Ordination einen Anruf von Apostel Pöschel bezüglich eines Besuchstermins, und er fragte, ob wir dann zu Hause wären. Ich überlegte und dachte mir: Ja gut, man bekommt mal als Bezirksamt einen Besuch des Apostels. So sprachen wir den Termin ab, und als der Tag gekommen war, kam Apostel Pöschel nicht allein, sondern ihn begleitete Bezirksapostel Storck. Wenn man dann die Tür öffnet und beide vor sich stehen sieht, dann klingeln ein paar Alarmglocken.
Ab dem Tag wusste ich dann auch erst, worum es ging. Da wurde mir die Frage gestellt, ob ich dazu bereit wäre, das Apostelamt anzunehmen. So hatte ich eine kurze Vorbereitungszeit bis zum Tag der Ordination Ende Juli in Saarbrücken.
Sie sind verheiratet, haben zwei junge Kinder. Was kommen in dieser Situation für Gedanken, wenn eine solche Frage an einen herangetragen wird?
Der erste Gedanke ging in Richtung Familie. Ich habe sehr kleine Kinder: Mein Sohn ist jetzt zehn Jahre alt, meine Tochter gerade ein Jahr. Da kommt schon Sorge auf, weil man auch um die Zeitintensität weiß, die eine solches Amt beansprucht. Dann kommt der Gedanke: Ist man noch ausreichend für die Familie greifbar? Diese erste große Sorge wurde mir aber durch unseren Bezirksapostel und Apostel Pöschel relativ schnell genommen, die in dem Gespräch sofort darauf hinwiesen, dass auch für sie die Familie einen ganz wichtigen Stellenwert hat und die Ausübung des Amtes ohne den Rückhalt der Familie kaum machbar ist. Das ist ein Grund, weshalb der Partner ebenfalls gefragt und das Ganze miteinander besprochen wird.
Diese Sorge ist aber auch ein wenig in den Hintergrund getreten, gerade in den ersten hundert Tagen. Es lässt sich gut miteinander vereinbaren. Ich hatte vorher auch schon viele Termine. Nun sind die Fahrten zu den Terminen etwas länger geworden, vielleicht bin ich auch mal für zwei oder drei Tage unterwegs oder für eine Woche in den betreuten Missionsgebieten. Im normalen Berufsleben ist das oft nicht anders.
Wenn man sich Ihren Lebenslauf anschaut, fällt auf, dass Sie Ihr erstes Amt als Diakon erst mit neununddreißig Jahren empfangen haben. Das ist eher ungewöhnlich, vor allem, wenn man betrachtet, dass Sie nun zwölf Jahre später im Apostelamt dienen. Warum begann die Amtslaufbahn erst so spät?
(lacht) Wahrscheinlich gehöre ich zur Kategorie der „Spätberufenen“. Womit das zu tun hat, weiß ich nicht. Ich hatte von Anfang an in der Kirche meine Aufgaben. Seit meiner Jugendzeit war in ich der Musik aktiv, ich habe das Dirigieren geliebt und war fast zwanzig Jahre als Gemeindedirigent aktiv. Das hat mich immer sehr ausgefüllt. Vielleicht ist auch das der Grund.
Es ist manchmal so, wenn man jemanden in bestimmten Bereichen hat, auf den man sich verlassen kann, alles gut läuft und eingespielt ist, vielleicht fällt der dann ein bisschen aus dem Fokus heraus, wenn es darum geht, daran etwas zu ändern. Ich hatte damals auch einen Vorsteher, der sagte, dass er mich nicht als Diakon vorschlagen würde, bevor ich nicht in den Bund der Ehe getreten sei. Möglicherweise habe ich das auch als Anreiz gesehen, erst spät zu heiraten (lacht wieder).
Mit neununddreißig Jahren waren Sie also Diakon, mit zweiundvierzig Jahren Priester, mit siebenundvierzig Jahren Bezirksevangelist. Zuletzt leiteten Sie als Vorsteher etwa ein Jahr die Gemeinde Minden. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gesammelt?
Die Arbeit als Gemeindevorsteher war eine wertvolle und schöne Erfahrung. Als Priester wurde ich sofort ins Bezirksevangelistenamt ordiniert, habe also zuvor wenig Führungserfahrungen sammeln können. Als stellvertretender Bezirksleiter erlebt man das nicht so intensiv, wie ein Gemeindevorsteher. Das tat also gut.
Ich kannte die Gemeinde auch von klein auf, es ist die Gemeinde, in die ich hineingeboren wurde. Man kennt sich untereinander, also alle Fehler und Schwächen, aber auch alle Vorzüge, und das war eine schöne Zeit. Sie war kurz, gerne hätte ich das länger gemacht; aber es tut schon gut, diese intensive Arbeit in der Seelsorge zu tun, was in der Gemeindearbeit und als Gemeindevorsteher wohl am greifbarsten ist.
Über die kurze Vorbereitungszeit auf das Apostelamt haben wir schon gesprochen, das waren knapp sechs Wochen. Dann ging es mit den ersten Gottesdiensten im Arbeitsbereich los. Wie waren die ersten Reaktionen, und wie sind Sie in den Bezirken und Gemeinden aufgenommen worden?
Ich habe eine große Erwartungshaltung gespürt. Das ist immer so, wenn jemand Neues zu Besuch kommt. Dann ist man gespannt. Die wenigsten kannten mich vorher. Aber auch ich war gespannt auf die neuen Gemeinden und die vielen, mir auch nicht bekannten Glaubensgeschwister. Jede Gemeinde, jeder Bezirk hat ja seine eigene Art.
Ich habe die ersten Minuten im Gottesdienst regelmäßig als ein „Beschnuppern“ erlebt, es lag eine gewisse Neugier in der Luft, was förmlich zu spüren war. Und dann fühlte man, wie es im Verlauf des Gottesdienstes immer entspannter wurde. Das endete dann in Herzlichkeit und war einfach schön. Alle Sorgen, die ich mir vielleicht auch gemacht hatte, wie es werden würde, waren dann fort. Es war wirklich schön und ich wünsche mir und hoffe, dass es so weitergeht.
Nun gilt es, viele Bezirksleiter, die stellvertretenden Bezirksvorsteher, viele Vorsteher kennenzulernen. Wie gehen Sie das gerade an?
Ich plane in den nächsten Monaten jede der 69 Gemeinde in meinem Apostelbereich zu besuchen. In einigen war ich schon, in einige komme ich noch, sodass ich vielleicht in der ersten Jahreshälfte 2024 in jeder Gemeinde gewesen bin. Zwischendurch – und das ist auch sehr wichtig – würde ich dann gern meine Brüder besuchen, die Bezirksverantwortung tragen.
Zudem besuche ich nach Möglichkeit die Vorsteherversammlungen, dass ich die Schwestern und Brüder kennenlerne, die in den Gemeinden tätig sind. Das ist für mich wichtig, sie persönlich zu kennen, zu wissen, welche Sorgen und Wünsche sie haben, wobei man sie unterstützen kann. Ich möchte vertrauensvoll mit ihnen arbeiten können, und es ist mir auch wichtig, dass sie mich kennenlernen und wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Sie haben auch Verantwortung für Gemeinden in anderen Ländern übernommen, nämlich für den Bereich Mittlerer Osten, beispielsweise Griechenland, Türkei und Zypern. Es gab eine erste Reise mit dem Bezirksapostel. Wie war das?
Ich war und bin sehr dankbar, dass ich unseren Bezirksapostel auf seiner Reise nach Griechenland und Zypern begleiten durfte. Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Ich konnte meine Glaubensgeschwister aus anderen Lebens- und Glaubensverhältnissen kennenlernen. Das ist oftmals mit Westeuropa kaum zu vergleichen. Diese Glaubensfreude sowie die Erwartungshaltung auf den Besuch des Bezirksapostels war groß. Man kennt vieles aus Berichten, auch hat man das ein und andere davon gehört oder gesehen. Aber alles live mitzuerleben, ist etwas ganz Besonderes.
Gibt es noch weitere Aufgaben in der Gebietskirche?
Zu den Gebieten gehören auch noch der Libanon und Ägypten. Hier hatte ich ebenfalls Besuche geplant, doch mir wurde aus Anlass der momentanen Situation und den damit verbundenen Sicherheitsbedenken davon abgeraten.
Als Apostel ist man auch Mitglied des Landesvorstands. Wie ist das, wenn man in solch eine Gruppe aus erfahrenen, größtenteils länger gedienten anderen Aposteln hineinkommt?
Ich wurde sofort offen empfangen, es ist ein liebevoller Umgang miteinander. Meine Mitapostel haben sich um mich gekümmert und sofort fühlen lassen, dass ich dazugehöre. Allerdings habe ich auch noch viele Fragezeichen: Was alles wie zusammenhängt, wofür man verantwortlich ist.
Das klingt nach sehr viel administrativer Arbeit. Müssen sich die Amtsträger manchmal mit zu viel Organisation beschäftigen, oder ist das einfach so?
Die administrativen Dinge müssen sein. Das gehört halt mit dazu, sicherlich; es geht ja auch nicht ohne. Man muss allerdings aufpassen, dass es nicht mehr wird als die tatsächliche Aufgabe als Seelsorger. Gerade als Apostel werde ich darauf achten, dass der seelsorgerische Bereich nicht zu kurz kommt. Die Reihenfolge ist entscheidend.
Haben Sie einen Schwerpunkt für die eigene Arbeit in Ihrem Apostelbereich?
Ich möchte einen innigen und intensiven Kontakt zu meinen Glaubensgeschwistern in den Gemeinden haben. Sie sollen mich als ihren Apostel sehen und keine Scheu haben, mich auch mal persönlich anzusprechen.
Wenn das jetzt jemand liest und sagt: Ich habe etwas, ich möchte meinen Apostel erreichen: Was sind Ihre Kontaktdaten?
Unter meiner E-Mail-Adresse c.denker@nak-west.de bin ich immer für jeden erreichbar.
Fortsetzung folgt …
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