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Stammapostel in Minden: „Leid ist nicht heilsnotwendig“

 

Westdeutschland/Minden. Zu Beginn der Passionszeit besuchte Stammapostel Schneider Westdeutschland. Er feierte mit 800 Gläubigen einen Gottesdienst in Minden-Mitte. In der Predigt ging er auf verschiedene Aspekte ein, die die Nachfolge Jesu mit sich bringe.

Grundlage für den Gottesdienst von Stammapostel Jean-Luc Schneider in Minden war eine der drei Begebenheiten, als Jesus seinen Jüngern sein Leiden und seinen Tod ankündigte: „Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen.“ (Lukas 18,31-33)

Vorhergesehen und bewusst entschieden

„Die Jünger haben jeweils nicht verstanden, was Jesus ihnen damit sagen wollte“, fasste Stammapostel Schneider zusammen. Dabei sei die Botschaft Jesu klar gewesen: „Mein Ende wurde im Alten Testament angekündigt, Gott hat die Sache im Griff und es läuft genauso, wie es seinem Plan entspricht.“

Zudem mache die Begebenheit deutlich, so der Stammapostel, weiter, dass auch Jesus sehr bewusst die Entscheidung traf, für das Heil aller Menschen zu leiden und zu sterben. Niemand zwang ihn, diesen Weg zu gehen. „Er tat dies aus Liebe zu Gott und den Menschen sowie in dem Wissen: am Ende werde ich auferstehen.“

Christen leiden nicht mehr oder weniger

Für die Menschen heute bedeute dies: Wer das Heil Jesu Christi erlangen will, muss ihm nachfolgen. Das bedeute jedoch nicht, dass alle Christen wie er leiden und sterben müssten, betonte der Stammapostel.

Zwar würden bis heute Christen verfolgt, doch sie seien nicht die einzigen: „Bis heute werden viele Menschen verfolgt, darunter Frauen, bestimmte Ethnien oder Andersdenkende.“ Doch dies habe nichts mit dem Heil aus Jesus Christus zu tun, sondern sei in der Sündhaftigkeit der Menschen, ihrer Entfernung von Gott und der Gier nach Macht begründet.

„Ich schließe daraus, dass das Leid nicht heilsnotwendig ist: Christen leiden nicht mehr als andere Menschen“, führte Stammapostel Schneider weiter aus. Gleichzeitig habe Christus aber auch klargestellt, dass seine Nachfolger nicht vom Leid verschont würden.

Anfechtungen durch Dritte

Mit dem Leid der Christen meine Jesus vor allem Anfechtung und seelisches Leid, so der Stammapostel weiter. Dies sei unabhängig von der persönlichen Situation: „Der Böse nutzt sowohl die guten als auch die schlechten Tage aus, um uns von Gott zu trennen.“

Dabei mahnte der Stammapostel: „Auch wohlgesonnene Menschen können dich von Jesus Christus trennen, wenn sie etwas sagen, was nicht dem Willen Gottes entspricht.“

Sich selbst verleugnen: Gehorsam und Dienen

Die größten Anfechtungen kämen jedoch von jedem selbst, leitete der Stammapostel den letzten Teil der Predigt ein. Deshalb gelte: „Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ (Matthäus 16,24)

Sich selbst zu verleugnen, bedinge Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes sowie das Dienen am Nächsten. „Das liegt heute nicht mehr so ganz im Trend“, sprach der Stammapostel Klartext. Auch in der Kirche gebe es eine Konsum-Mentalität: „Inwiefern betätigst du dich, damit der Nächste das empfangen kann, was er braucht und was auch dir zusteht?“

Am Ende steht die ewige Gemeinschaft mit Gott

„Es gibt eine Zeit der Anfechtung, wo wir den geistigen Kampf führen. Das ist manchmal sehr hart“, so der Stammapostel. „Wir haben Anfechtungen, gehören zu der kleinen Herde, wir müssen uns selbst verleugnen und uns demütigen, gehorsam sein und dienen; aber nur eine kleine Zeit. Dann kommt das Heil, dann kommt die erste Auferstehung, die Gemeinschaft mit Gott in seinem Reich.“ Wer dem Herrn schon heute nachfolge, der erlebe bereits jetzt die Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Weitere Predigtbeiträge im Gottesdienst kamen von Apostel Arnold Mhango (Bezirksapostelhelfer in Malawi und Sambia), Apostel Marat Akchurin (Russland) und Apostel Ralph Wittich (Nord- und Ostdeutschland). Die Bischöfe Michael Eberle und Peter Johanning empfingen im Anschluss an die Feier des Heiligen Abendmahls mit der Gemeinde stellvertretend die Hostie für die Verstorbenen. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst von einem eigens gegründeten Projektchor aus dem Kirchenbezirk Minden sowie Instrumentalisten.

Bezirksapostel Rainer Storck, Leiter der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, konnte krankheitsbedingt an diesem Wochenende nicht dabei sein. Er wurde von Bezirksapostelhelfer Apostel Stefan Pöschel vertreten. Auch die anderen Apostel aus Westdeutschland waren in Minden mit dabei.

Letzter Besuch vor elf Jahren

Es war der erste Besuch des Stammapostels im Bereich der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland in diesem Jahr.

Sein letzter Besuch in Minden ist elf Jahre her. Am 30. Juni 2013, sechs Wochen nach seiner Ordination zum Stammapostel der Neuapostolischen Kirche, besuchte er die örtliche neuapostolische Gemeinde. Es war sein „Antrittsbesuch“ in der damaligen Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen. Im Gottesdienst spendete er Apostel i.R. Günter Wiktor und seiner Frau Heidi den Segen zur goldenen Hochzeit.

13. März 2024
Text: fs
Fotos: fs/or

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