Minden. Eine herbstliche Atmosphäre lag über dem Franzosenfriedhof in Minden, als Gläubige aus verschiedenen Konfessionen zusammenkamen. Mit den Worten „Dieser Ort ist ein Ort der Mahnung, des Erinnerns und der Aufgabe für uns“ eröffnete Hirte i.R. Lothar Ney eine ökumenische Andacht, die weit über das Gedenken an die Vergangenheit hinausreichte.
Hirte Ney führte die Versammelten, rückblickend durch die geschichtsträchtige Vergangenheit des Friedhofs, zu den Opfer des Nationalsozialismus, um dann auch einen Blick auf die gegenwärtige Realität zu werfen: „Auch heute erleben wir erneut Kriege: in Afghanistan, im Irak, in der Ukraine, im Nahen Osten, in vielen Teilen Afrikas, …“
Mit Liebe gegen das Böse – und die Zukunft fest im Blick
„Das Böse umgibt uns immer noch, ja, es lebt grundsätzlich auch in uns. Dem gegenüber stellen wir im Vaterunser die Bitte ‚Und erlöse uns von dem Bösen‘. Wie ernst meinen wir das?“, fragte Hirte Ney die Anwesenden – es gelte ernsthaft mit dieser Bitte umzugehen.
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas 10,27) – das ist die Arbeit eines jeden von uns; in den Familien, in der Gesellschaft eines Landes, bei allen Menschen.
„Das Evangelium Christi gibt allen Menschen Hoffnung über den Tod hinaus“, stellte Hirte Ney fest. Denn Jesus Christus sagte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“ (Johannes 11,25.26). „Als Christen setzen wir unsere Hoffnung auf die Gnade und Liebe Gottes!“
Frieden schaffen: Das Bemühen in Gegenwart und Zukunft
Pfarrer Clemens Becht, Evangelische Kirche Minden, betonte in seinen Ausführungen die Wichtigkeit des Stiftens von Frieden. „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“, zitierte er aus Matthäus 5,9. Er reflektierte aktuelle globale Herausforderungen, bei denen Machthaber oftmals ihre eigenen Interessen über das Wohl der Menschen stellen.
In den Gottesdiensten am heutigen Ewigkeitssonntag gehe der Blick aber auch in die Zukunft. Pfarrer Becht zitierte aus Offenbarung 21,1: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.“
Von der Trauer zur Hoffnung: Der Franzosenfriedhof als Symbol
In Minden, im Stadtteil Minderheide, befindet sich der Franzosenfriedhof. Er erinnert an ein Kriegsgefangenenlager aus dem Ersten Weltkrieg, in dem Soldaten aus verschiedenen Nationen, darunter Franzosen, Belgier, Briten, Italiener, Serben und Soldaten aus den Kolonien, untergebracht waren. Für die diesjährige Andacht stellte der Heimatpfleger Siegfried Winkler einen Belegungsplan des „Gefangenen-Friedhof“ von 1932 aus.
Im Jahr 2014 wurde auf Initiative der neuapostolischen Kirchengemeinde Minden, in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Minderheide und Pfarrer Clemens Becht von der Evangelischen Gemeinde St. Lukas, erstmals eine ökumenische Andacht auf dem Franzosenfriedhof abgehalten. Begleitet wurden diese Aktivitäten im Rahmen von Aufräumarbeiten auf dem Gelände sowie Reparaturen an den Denkmälern. Dadurch hat dieser Ort mittlerweile eine besondere Bedeutung als Zeugnis für die Folgen von Krieg und Verfolgung erlangt.
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