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Seminar in Minden: Was ein Gemeindegremium leistet

 

Wie ein Gemeindegremium den Gemeindevorsteher entlasten kann, zeigte am 10. Oktober ein Seminar in Minden – ein weiterer Baustein zur „Gemeinde der Zukunft“.

Das Seminar gehört zu einer Reihe von Veranstaltungen, die Gemeinden für die Zukunft stärken sollen. Im Juni hatten leitende Geistliche aus drei Kirchenbezirken beim Workshop „Gemeinde der Zukunft: Was geht, wenn man es wagt“ Ideen für ihre Gemeinden gesammelt. Im September stand das Thema bei der Tagung der Bezirksvorsteher mit Bezirksapostel und Aposteln in Wiesbaden auf der Tagesordnung; die Gemeindegremien wurden dort als ein Baustein genannt. Am Samstag, 20. Februar 2027, folgt in der Kirche Minden der Workshop „Gemeinde 2.0: Fördern, gestalten, bewegen“ mit Diakonin Sonja Würtemberger; das Programm läuft von 11 bis 17 Uhr. Die Referentin befasst sich als Professorin beruflich mit Personalmanagement und arbeitet ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe Fortbildung der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland mit.

Zum Thema „Gemeindegremium“ referierte Friedhelm Lappe am Samstag, 10. Oktober 2026, in der Neuapostolischen Kirche in Minden. Der Geistliche war viele Jahre in der Gemeindeleitung tätig und arbeitet seit Langem ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe Fortbildung mit, im Bereich Gemeindeentwicklung. Zum vierstündigen Seminar hatten sich Gemeindemitglieder aus dem Bezirk Minden angemeldet, dazu ein Gast aus dem Kirchenbezirk Ostwestfalen-Lippe. Vertreten waren alle Altersgruppen von der Jugend bis zu den Senioren, ebenso Geistliche und Gemeindeleiter. Gemeinsam setzten sich die Teilnehmenden mit der Rahmenrichtlinie für Gemeindegremien und der Muster-Geschäftsordnung der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland auseinander.

Den Gemeindevorsteher entlasten

Das Gemeindegremium ist eine Einrichtung der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, die das Gemeindeleben stärken und die Zusammenarbeit fördern soll. Die Initiative zur Einführung dieser Gremien ging auf den damaligen Bezirksapostel Armin Brinkmann zurück und entstand in den Jahren 2010/2011. Ein wesentliches Ziel war und ist es, die Gemeindevorsteher zu entlasten. Das Gremium berät und unterstützt sie bei der organisatorischen und administrativen Leitung der Gemeinde.

Dafür braucht es eine klare Rollenverteilung. Die Verantwortung für die Gemeinde bleibt beim Gemeindevorsteher. Das Gremium übernimmt vor allem organisatorische Aufgaben, begleitet deren Umsetzung und bringt eigene Ideen ein. So verteilen sich die Aufgaben auf mehrere Schultern, und die Fähigkeiten und Erfahrungen der Gemeindemitglieder kommen besser zum Tragen.

Mitbestimmung, die das Gemeindeleben bereichert

Ein Gemeindegremium nimmt die Interessen und Wünsche innerhalb einer Gemeinde wahr und bringt sie in die Gestaltung des Gemeindelebens ein. Es versteht sich als Ansprechpartner für die Gemeindemitglieder und hat ein offenes Ohr für ihre Anliegen. Damit das gelingt, sollte das Gremium die Altersstruktur der Gemeinde möglichst gut widerspiegeln, denn Gemeindemitglieder verschiedener Generationen – von Jugendlichen bis zu Senioren – bringen eigene Erfahrungen und Ideen mit.

Mitbestimmung heißt, Anliegen ernst zu nehmen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Grundlage dafür sind offene Kommunikation und Transparenz. Hinter der Arbeit eines Gemeindegremiums steht die Wertschätzung jedes Einzelnen. Wer sich einbringen und Verantwortung tragen kann, fühlt sich seiner Gemeinde stärker verbunden; aus einzelnen Ideen werden gemeinsame Projekte.

Klare Regeln schaffen Vertrauen

Damit ein Gemeindegremium seine Aufgaben zuverlässig erfüllen kann, benötigt es eine Geschäftsordnung. Sie bildet die Grundlage für die gemeinsame Arbeit und legt fest, wie das Gremium organisiert ist und wie Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden. Feste Regeln geben Orientierung und helfen, Missverständnisse zwischen Gremium, Gemeindevorsteher und Gemeinde zu vermeiden.

Die Mitglieder des Gremiums werden für einen bestimmten Zeitraum gewählt. Das macht die Mitarbeit verbindlich und legt zugleich fest, wie lange jemand Verantwortung trägt. Mit den Aufgaben gehen Rechte und Pflichten einher. Zu den Pflichten gehören ein verantwortungsbewusster Umgang mit den übertragenen Aufgaben und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Zu den Rechten gehört, Vorschläge einzubringen, die mit Zustimmung des Gemeindevorstehers grundsätzlich umgesetzt werden sollen; hat er Bedenken, trägt er sie dem Gremium persönlich vor.

Aufmerksam füreinander

Neben organisatorischen Fragen geht es auch um das Miteinander. Seelsorge ist – im Rahmen der jeweiligen Zuständigkeiten – auch eine Aufgabe der ganzen Gemeinde. Eine Gemeinde lebt von Beziehungen, gegenseitiger Aufmerksamkeit und dem Willen, füreinander da zu sein.

Ein Gemeindegremium hilft wahrzunehmen, wo Menschen Unterstützung benötigen, wo Kontakte fehlen oder wo neue Ideen das Zusammenleben stärken könnten. Die seelsorgerische Verantwortung des Gemeindevorstehers ersetzt es nicht; es unterstützt ihn, indem es Anliegen frühzeitig erkennt. Nach der Rahmenrichtlinie kann es zum Beispiel die Unterstützung bei der Krankenbetreuung organisieren.

In drei Phasen zum Gremium

Die Kirchenleitung wünscht, dass nach Möglichkeit in allen Gemeinden ein Gemeindegremium eingesetzt wird. Im Seminar ging es deshalb ausführlich um den Weg dorthin, der in drei Phasen verläuft. In der Vorbereitung klären Vorsteher, Amtsträger und Funktionsträger Ausgangslage und Ziel, legen fest, wer künftig welche Aufgaben übernimmt, und informieren die Gemeinde. Bei der Gründung wird über die Einführung abgestimmt, die Mitglieder werden gewählt, und das Gremium gibt sich eine Geschäftsordnung. In den ersten Schritten geht es um eine gute Kommunikation und regelmäßige Rückmeldungen; nach einem Jahr wird gemeinsam Bilanz gezogen.

Ein Gemeindegremium lebt vom Mitmachen – und davon, dass Gemeindevorsteher und Gremium ihre Aufgaben kennen und sich gegenseitig unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei der Dienst an der Gemeinde, wie ein Leitsatz des Seminars zusammenfasst: „Das Gemeindegremium ist für die Gemeinde da, nicht umgekehrt.“

17. Oktober 2026
Text: cp
Fotos: ck

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