Chronik des Bezirks Minden
Fragt man wo Minden liegt, so ist die wohl meist genannte Antwort, es liegt zwischen Bielefeld und Hannover.
Da kann es auch nicht weiter verwundern, dass man in beiden Orten bzw. Bezirken zeitgleich auf den Gedanken kam, den neuapostolischen Glauben im Raum Minden bekannt zu machen.
Bielefeld - Max Karkauski
Die ersten neuapostolischen Christen in Minden waren Diakon Max Karkauski und seine Ehefrau Sophie. Am 18. Mai 1865 in Memel / Ostpreußen geboren und am 15. Juni 1895 durch Apostel Krebs versiegelt, wanderte Max Karkauski mit 32 Jahren nach Amerika aus. Dort wurde er 1898 ins Diakonenamt gesetzt. Im Jahre 1900 heiratete er seine Ehefrau Sophie, die aus Niedernwöhren bei Stadthagen stammte.
Vom Jahre 1901 an arbeitete er eng mit dem Apostel Friedrich Eduard Mierau in Nordamerika zusammen, der ebenfalls aus Ostpreußen stammte. Doch das Heimweh war zu stark, Max und Sophie kehrten 1902 nach Deutschland zurück. Sie wohnten nun in Minden, die Gottesdienste besuchten sie in Bielefeld.
Hannover - August Fuhrmann
Im Jahre 1904 veranlasste Stammapostel Friedrich Krebs, dass in dem sogenannten "Niemandsland" zwischen Hannover und Bielefeld eine Gemeinde gegründet werden sollte. Dazu wurde der gerade ordinierte Priester August Fuhrmann nach Minden gesandt. Er gab seine Festanstellung bei der Stadt Hannover auf und fuhr am 25. Juli 1904 mit der Bahn nach Minden.
Es kam zu einer denkwürdigen Begegnung! Um sich nach seiner Ankunft in der fremden Umgebung zu orientieren, sprach August Fuhrmann auf der "Bunten Brücke" einen Passanten an - es war Max Karkauski! Das war für beide ein ganz besonders richtungsweisendes Glaubenserlebnis, zumal keiner vom Anderen wusste, dass dieser auch neuapostolisch war.
Am 29. Juli 1904 fand der erste Gottesdienst in der Wohnung von Diakon Max Karkauski statt. Anwesend waren sechs Glaubensgeschwister, dazu weitere Familienmitglieder und Gäste. Von nun an fand jeden Sonntag ein Gottesdienst statt, zu dem auch jeweils Gäste eingeladen wurden.
Am 5. September 1904 fand der erste Versiegelungsgottesdienst in Minden statt. Apostel Hermann Niehaus aus Bielefeld (Quelle) spendete 12 Seelen durch Handauflegung den Heiligen Geist. Am Ende des Jahres 1904 zählte die
Gemeinde, auch verstärkt durch Zuzüge, bereits 21 Mitglieder.
Zum Bezirk Bielefeld
In einem am 18. Juni 1905 gehaltenen Gottesdienst nahm Stammapostel Niehaus eine organisatorische Veränderung vor: die Gemeinde Minden gehörte nun zum Ältestenbezirk Bielefeld, nicht mehr zum Ältestenbezirk Hannover.
Praktisch betrachtet bedeutete dies, dass von nun an nicht mehr der Älteste Gohmann aus Hannover die Geschwister betreute, sondern der Älteste August Niehaus bzw. ab dem 27. Juli 1924 der Bezirksälteste Hermann Niehaus. Auch der Bezirksevangelist Ernst Engelauf, Vater des späteren Bezirksapostels Hermann Engelauf, ist vielen unvergessen.

Tochtergemeinden
Seit 1908 wurden, anfangs unregelmäßig, dann immer regelmäßiger Gottesdienste in Obernkirchen durch Mindener Amtsbrüder gehalten, bis 1924 die Gemeinde Obernkirchen als erste Tochtergemeinde Mindens selbstständig wurde.
In den Jahren zwischen 1924 und 1933 gingen aus der Muttergemeinde Minden die Mehrzahl der Gemeinden hervor, die den heutigen Bezirk Minden ausmachen: Obernkirchen, Petershagen, Langern (heute Huddestorf), Hausberge, Dützen, Hahlen (beide bilden heute die Gemeinde Minden-West), Frille (heute Lahde) und Bückeburg. Im Jahr 1960 folgte noch Minden II (heute Minden-Nord).
Von Obernkirchen aus wurden die Gemeinden Loccum und Mardorf (heute Mardorf-Loccum), von Langern aus die Gemeinden Uchte und Stolzenau gegründet. Vennebeck hat seine Wurzeln in Bad Oeynhausen und Veltheim ist eine Tochter der Gemeinde Hausberge.
Im heutigen Bezirk Minden haben lediglich die Gemeinden Stadthagen (Hannover) und Sulingen (Osnabrück) keine Wurzeln, die direkt oder indirekt auf Minden verweisen. Die Gemeinde Minden trug darüber hinaus auch zur Entstehung der nicht zum Bezirk gehörenden Gemeinden Vlotho, Bad Oeynhausen und Lübbecke bei.
Erstes eigenes Kirchengebäude
Im November 1931 fand ein erster großer Festgottesdienst statt, in dem der bisherige Priester und Vorsteher Fuhrmann das Hirtenamt empfing. Leider verstarb er bereits am 17. Januar 1937, erst 61-jährig nach kurzer schwerer Krankheit. Sein Nachfolger wurde der Evangelist (seit 1. August 1932) und spätere Hirte (7. Januar 1945) Karl Friedrich Lihra.
Noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erhielt die Gemeinde Minden ihr erstes eigenes Kirchenlokal, das etwa 450 Personen Platz bot. Rückte man die Stuhlreihen enger und öffnete die praktischer Weise mit Schiebetüren versehenen Nebenräume, gingen sogar 550 Personen in den Saal - es war dann aber sehr eng. Die damals eingebaute Pfeifenorgel ist jetzt in der Gemeinde Minden-Nord in Gebrauch.

26. Juli 1947 - Der Bezirk Herford entsteht
Der Ältestenbezirk Bielefeld war damals sehr groß. Er reichte von Rheda Wiedenbrück bis nach Mardorf am Steinhuder Meer und umschloss das Lipperland. Heute ist dieses Gebiet in die vier Ältestenbezirke Bielefeld, Detmold, Herford und Minden unterteilt. Nicht nur diese räumliche Größe, vor allem die stetig wachsenden Mitglieder- und Gemeindezahlen führten 1947 zur Gründung des Bezirks Herford, dem auch Minden und Umgebung angehörten.
Der bisherige Evangelist Knaupmeier aus Herford empfing am 26. Juli 1947 das Amt eines Bezirksältesten und am 1. Juni 1952 das Bischofsamt.
Am 30. November 1952 hielt Bezirksapostel Walter Schmidt einen Festgottesdienst in Minden, zu dem auch die Gemeinden der Umgebung eingeladen waren. Der Hirte Karl Friedrich Lihra wurde dabei in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Nachfolger wurde sein gleichnamiger Sohn und bisherige Vorsteher der Gemeinde Bückeburg, Karl F. Lihra jun. Er empfing in diesem Gottesdienst das Evangelistenamt.
Am 26. April 1953 wurde Bischof Knaupmeier in einem Festgottesdienst in Bielefeld zur Unterstützung des Bezirksapostels Walter Schmidt zum Apostel ausgesondert. Wenig später, am 28. Juni 1953, war Bezirksapostel Schmidt wieder in Minden und setzte Karl F. Lihra als Bezirksältesten für den Bezirk Herford ein.

An seiner Seite dienten die Bezirksevangelisten Heinrich Oesker und ab dem 12. Juli 1970 Albert Zillmer. Während Bezirksevangelist Oesker überwiegend im südlichen Teil des Bezirks diente, übernahm Bezirksevangelist Zillmer diese Aufgabe für den nördlichen Bereich.
Der Bezirk Minden wird gegründet
Am 29. März 1981 tritt Bezirksältester Karl F. Lihra altersbedingt in den Ruhestand und der Bezirk Herford, der zuletzt 36 Gemeinden umfasst, wird in die heutigen Bezirke Minden und Herford aufgeteilt. Für Herford wird der Hirte (spätere Bezirksapostel) Horst Ehlebracht, für Minden der Bezirksevangelist Albert Zillmer zum Bezirksältesten ausgesondert.
Im gleichen Gottesdienst erhielt die Gemeinde Minden mit Günter Wiktor einen Evangelisten, bereits am 6. Januar 1982 wurde dieser zum Bezirksevangelisten gesetzt.
1987 wurde mit Bad Eilsen die bislang letzte Gemeinde des Bezirks gegründet.
Seit Januar 1989 werden regelmäßig einmal im Monat Gottesdienste in verschiedenen Altersheimen durchgeführt und seit November des gleichen Jahres auch regelmäßig Gottesdienste in der Kapelle des Klinikums Minden gehalten.
An Ostern, dem 19. April 1992, diente Stammapostel Richard Fehr in Herford. Er setzte Bischof Schorr zum Apostel und den bisherigen Bezirksevangelisten Günter Wiktor zum Bischof. Bereits am 11. Mai erhielt der Bezirk mit dem bisherigen Hirten Raimund Knoll wieder einen neuen Bezirksevangelisten.
Bezirksleitung seit 1996
Das Jahr 1996 brachte weitere Veränderungen. Zunächst ging der allseits geschätzte Bezirksälteste Albert Zillmer nach über 45 Amtsjahren am 14. Juli in den verdienten Ruhestand. Sein Nachfolger wurde der bisherige Bezirksevangelist Raimund Knoll. Priester Ralf Werner Münster wurde als neuer Bezirksevangelisten gesetzt. Er diente dem Bezirk bis zu seinem beruflich bedingten Wegzug im September 2003.
Bischof Günter Wiktor wurde am 24. November von Stammapostel Fehr als Nachfolger von Apostel Reinhold Skielka zum Apostel ordiniert.
Einen zweiten Bezirksevangelisten erhielt der Bezirk am 09.02.2000 mit dem bisherigen Hirten Rolf Selling. Mit Erreichen der Altersgrenze wurde er am 14. April 2006 in den Ruhestand verabschiedet.
Am 17. März 2004 besuchte der damalige Bezirksapostel Wilhelm Leber die Gemeinde Mardorf am Steinhuder Meer und ordinierte den bisherigen Evangelisten Jürgen Meyer zum Bezirksevangelisten.
2004 - Das Jubiläumsjahr
Das Jahr 2004 war darüber hinaus ein ganz besonderes für den Bezirk. Schließlich jährte sich das Zusammentreffen der Brüder Karkauski und Fuhrmann zum einhundertsten Mal. Die Gemeinde Minden und somit der gesamte Bezirk beging ihr Jubiläum. Über das ganze Jahr verteilt gab es besondere Aktionen.
Am 1. Mai wurde ein Konzert in der Schleuse gegeben. Minden ist berühmt für sein Wasserstraßenkreuz. Hier trifft die Weser auf den Mittellandkanal. Über Schleusen überwindet man den Höhenunterschied zwischen den Gewässern. In die so genannte Schachtschleuse fuhren die MS Europa und die MS Poseidon ein und der Wasserspiegel wurde abgesenkt. Ein Jugendchor gab nun ein Konzert vor 400 Zuschauern, das begeisterte. Auf Grund der hohen Schleusenwände wurde daraus ein einmaliges Klangerlebnis.

Am 15. Juni folgte ein großer Seniorennachmittag, bei dem unter anderem auch der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Mindener Kinderchor auftrat.
Höhepunkt des Festjahres ist der Festgottesdienst am 27. Juni, gehalten durch Bezirksapostel Leber in der Kampahalle Minden, zu dem erstmals der gesamte Bezirk versammelt ist. Der Bezirksapostel gibt in diesem Gottesdienst drei Evangelisten ihren Amtsauftrag.
Die Feierstunde am Nachmittag des gleichen Tages, in dem die 100 Jahre nochmals Revue passieren können, gehört selbstverständlich auch dazu. Alle drei bisherigen Bezirksältesten des Bezirks saßen gemeinsam auf der Bühne, berichteten aus alten und neuen Zeiten. Auch diese Seite hat an jenem Tag ihre Geburtsstunde.
Die Gemeinde Bückeburg beging am 23. und 24. Oktober ihr 75-jähriges Jubiläum und den Abschluss des Festjahres bildet das Adventskonzert am vierten Adventssamstag im Klinikum Minden.
2005
Das Jahr 2005 brachte uns zwei Bezirksapostel nach Minden. Zumächst am 9. Januar,den scheidenden Bezirksapostel Wilhelm Leber und am 4. September kam sein Nachfolger in diesem Amt, Armin Brinkmann. Beide waren in Minden - Mitte zu Gast.
Es galt aber auch Abschied zu nehmen. Am 18. September versetzte Stammapostel Leber unseren Apostel Günter Wiktor altersbedingt in den wohlverdienten Ruhestand. 42 Jahre diente er als Amsträger, davon 9 im Apostelamt. Auch Bischof Gerd Blöß wurde verabschiedet, da er zukünftig nicht mehr im Mindener Bezirk dient. Nachfolger sind Apostel Walter Schorr und Bischof Michael Eberle. Apostel Schorr ist Minden nicht fremd. Von 1992 - 1996 hatte er bereits einmal die Apostelverantwortung für den Bezirk.
Unvergessen wird auch der Aktionstag zum Erntedank bleiben. In allen Gemeinden fanden besondere Aktionen für hilfsbedürftige Menschen statt. In Minden wurde über eine Tonne Lebensmittel der "Mindener Tafel" übergeben.
Die Gemeinde Hausberge feierte ihr 75-jähriges Jubiläum mit einem Festgottesdienst und anschließender Feierstunde und die Gemeinde Obernkirchen bekam mit Priester Wilfried Qualisch einen neuen Vorsteher.
2006
Wie bereits erwähnt, ging mit Bezirksevangelist Selling erneut ein Segensträger in den verdienten Ruhestand. Die Bermerkung des Bezirksapostels anläßlich der Verabschiedung "das war Maßarbeit" sagt alles über das Wirken des Bezirksevangelisten. Sein Nachfolger als Vorsteher der Gemeinde Minden-West ist Evangelist Rolf Maschmeier.
Die Gemeinden Mardorf und Lahde begingen ihr 75-jähriges Jubiläum. Ein Konzert des Bezirksmännerchores bildete jeweils am Vorabend den Auftakt zu einem Festsonntag. Und jeweils damit verknüpft war ein Tag der offenen Tür für die Bevölkerung, wovon diese auch reichlich Gebrauch machte.
Ein weiteres Mal kam Bezirksapostel Brinkmann nach Minden-Mitte. Diesmal war der Anlaß die Ruhesetzung von gleich drei Männern. Zum einen Vorsteher Karl-Heinz Burkert aus Uchte, sein Nachfolger wurde Priester Heinrich Kröger, Vorsteher der Gemeinde Huddestorf. Dann erhielt die Gemeinde Mardorf zur Entlastung des bisherigen Vorstehers und Bezirksevangelisten Jürgen Meyer mit Priester Jürgen Borgmann einen neuen Vorsteher. Und schließlich bekam die Gemeinde Lahde mit Priester Ralph Janzen einen Nachfolger für den eine Woche zuvor durch Bischof Eberle im Rahmen des Jubiläums in Ruhe gesetzten Hirten Friedhelm Meyer.

Ein vierter Vorsteherwechsel stand im Herbst an. Der schwer erkrankte Hirte Otto Meyer wurde von seiner Aufgabe entbunden. Priester Reinhold Röper geht der Gemeinde Sulingen seit dem 24. September voran.
Ein weiterer Höhepunkt war der erstmals im Bezirk Minden durchgeführte Entschlafenengottesdienst für Jugendliche, welcher große Bewegung auslöste.
Den Abschluß des Jahres bildete der dritte Besuch unseres Bezirksapostels Armin Brinkmann. In der Weihnachtswoche spendete er dem Ehepaar Erika und Albert Zillmer (Bezirksältester i.R.) in der Gemeinde Uchte den Segen zur goldenen Hochzeit.
2007
Das ganze Jahr über fieberte man dem 2. Dezember entgegen. Der Stammapostel würde nach Minden kommen. Zuletzt war mit Stammapostel Fehr 1998 ein Stammapostel im Bezirk Minden gewesen, der vorletzte Besuch datiert gar aus dem Jahre 1980 als Stammapostel Urwyler in einem denkwürdigen Gottesdienst den Bezirksapostel Schiwy in den Ruhestand verabschiedete. Entsprechend galt das Motto "Wie soll ich vorbereiten fein, mein Herz dem hohen Gast". In Erinnerung werden zwei Tage (Samstag, Sonntag) bleiben, die die Seele tief bewegten.
Bezeichnend war auch wieder einmal die schon allgemein bekannte "Volksnähe" des Stammapostels. Man musste ihm fast schon aus dem Wege gehen, wenn man ihm nicht begegnen wollte. Er hatte einfach Zeit, das in einer Zeit, wo eigentlich niemand mehr welche hat. Er hat sie einfach und das tut wohl.
Aber natürlich war dies nicht alles. Bezirksapostel Brinkmann kehrt in Bad Eilsen ein und besucht das per Bild und Ton angeschlossene Altenheim. Das Festwochende "Drei Tage - Drei Generationen" hinterläßt auch bei den Geschwistern des Bezirkes Minden tiefe Eindrücke, schließlich ist ungefähr ein Viertel des Bezirks in Oberhausen dabei.
Nachdem der Bezirk im Vorjahr zwei Hirten in den Ruhestand verabschiedet hatte, erhält er mit dem Priester Heinrich Kröger am 19. August einen neuen. Huddestorf und Uchte erleben darüber hinaus, mit dem Besuch von Apostel Walter Schorr zum Entschlafenengottesdienst, eine Premiere der ganz besonderen Art.
Die Gemeinden Stadthagen und Obernkirchen erhalten mit dem Evangelisten Thomas Wiktor einen neuen Vorsteher für den erkrankten Priester Wilfried Qualisch.
Last but not least, in diesem Jahr begeht die Gemeinde Minden-West ihr doppeltes 75-jähriges und einfaches 10-jähriges Jubiläum nach zuvor erfolgtem Kirchenumbau. Vor 10 Jahren entstand die Gemeinde aus dem Zusammenschluss, der in diesem Jahr 75 Jahre alt gewordenen Gemeinden Hahlen und Dützen.