Berichte

Was bleibt von einem Gottesdienst?Sonntag, 07.12.2008

Sulingen. Am Mittwoch abend, 03. Dezember 2008, besuchte Bischof Michael Eberle die Gemeinde Sulingen. Zu diesem Gottesdienst waren auch die Seniorenbeauftragten der einzelnen Gemeinden des Bezirkes Minden eingeladen. Über diesen Gottesdienst stand das Wort aus Matthäus 22, Vers 11 und 12:

Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen,
und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an,
und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen
und hast doch kein hochzeitliches Gewand an?
Er aber verstummte.


Zu Beginn des Gottesdienstes begrüßte Bischof Eberle die Anwesenden und merkte an, dass ein jeder wohl mit unterschiedlichsten Erlebnissen und Bedürfnisse ins Haus des Herrn gekommen wäre. Sicher sei die Anzahl der erlebten Gottesdienste unterschiedlich, manchmal gäbe es auch besondere Anlässe, freudige aber auch traurige. Was bliebe von einem Gottesdienst. Diese Frage stellte der Bischof bewusst am Anfang der Stunde.

Anregende und anrührende Gottesdienste würden etwas verändern, z.b. könnten sie die Vergebungsbereitschaft erhöhen, oder bestimmte Verhalten ändern. In diesem Zusammenhang wies der Bischof auf Zachäus hin, der, nach dem ihm Heil wiederfuhr, sein begangenes Unrecht wieder gut machte (Lukas 19). Weiter verwies er auf die Samariterin am Jakobsbrunnen. Jesus hätte ihr ihre persönlichen Verhältnisse erzählt, ob wohl er als Fremder sie gar nicht kennen konnte. Nach dem Erlebten ging sie in die Stadt und bekannte sich zu Jesus (Johannes 4 Vers 4 bis 29).

Bezug nehmend auf das Textwort sagte Bischof Eberle, dass es im alten Israel Tradition gewesen sei, dass der Gastgeber das Gewand für die Feier stellte. Heute seien mit dem Begriff „Gewand“ keine Äußerlichkeiten, modische Erscheinungen oder Trends gemeint, sondern Gott schaue vielmehr auf die inneren Werte eines Menschen. Welche Kleider legten wir an oder was hätten wir gesammelt? Hierzu führte der Bischof fünf Kleider an, die Gott an uns finden möchte:

- Kleid des Glaubens
Ohne den Glauben gibt es keine Chance zur Teilnahme an der Hochzeit im Himmel. Glaubenserlebnisse, ob gelesen in „Unsere Familie“ oder selbst erlebte, würden den Glauben stärken. Der „Glaube“ hat heute einen schweren Stand, da viele Autoritäten ihn wenig oder gar nicht achteten

- Kleid der Nachfolge
Die Jünger Jesus Christus ließen alles gewohnte zurück und folgten ihm nach. Heute hat der Begriff „Nachfolge“ einen negativen Beigeschmack. Begriffe wie Unselbstständig, Ziel- und Planlos würden mit ihm assoziiert. Wer in der rechten Nachfolge stehe, würde dem Herrn freiwillig und willentlich nachfolgen.

- Kleid des Vertrauens
Obwohl alle Hiob drängten, dass er sich von seinem Gott abwenden sollte, vertraute er weiter auf Gott. Für den einen oder anderen könnte ein Tal auch zur Tiefebene werden, doch vertrauten wir auf Gott, so würde dieser es wohl machen.

- Kleid der Treue
Als Daniel in Gefangenschaft war, gab es dort Speisevorschriften, außerdem durfte er nicht zu Gott beten. Durch seine Treue zu Gott wurde Daniel gerettet.

- Kleid der Dankbarkeit
Eine positive Grundstimmung würde den Weg zum Ziel erleichtern. Wenn man jahrelang nicht beim Arzt gewesen sei, wie stünde es dann mit unserer Dankbarkeit.

In unserem Kulturkreis wüsste man auch, dass Kleider schützten. Ziehen wir die von Gott angebotenen Kleider an, würden diese uns schützen:

- Glauben         vor    Perspektivlosigkeit
- Vertrauen       vor    Zweifel
- Nachfolge       vor    Orientierungslosigkeit
- Treue              vor    Einsamkeit
- Dankbarkeit    vor    Verbitterung

Evangelist Friedrich Meier-Vermeersch ging in seinem Wortbeitrag auf das Textwort ein und stellte drei Situationen auf Familienfeiern vor. Auf jeder wäre ein Fremder. Wenn man diese darauf anspräche, was sie auf der Feier suchten, könnten diese unterschiedlich reagieren:

- Der Erste gäbe eine „pampige“ Antwort.
- Der Zweite würde gar nicht antworten.
- Der Dritte würde seine Situation erklären und bäte darum, bleiben zu dürfen.

Wie sähe unsere Reaktion auf die jeweilige Situation aus?

Ferner wies der Evangelist darauf hin, dass der liebe Gott die persönliche Situation eines jeden einzelnen kennen und immer wieder zur rechten Zeit aus Sorgen und Nöten helfen würde.

Bezirksevangelist Jürgen Meier erwähnte in seinem Mitdienen noch einmal die Nachfolge. Zu Lebzeiten Jesu Christi hätte es auch Menschen gegeben, die Probleme mit der Nachfolge gehabt hätten. Viele seiner Jünger wandten sich von ihm ab, da sie weder sein Fleisch essen noch sein Blut trinken wollten (Johannes 60, Vers 47 bis 60). Auch verwies er auf die "fünf klugen" und "fünf törichten" Jungfrauen. Die "fünf törichten" Jungfrauen waren nicht bereit, kamen deshalb zu spät zur Hochzeit und hatten ihre Gewänder nicht an. Jesu musste ihnen sagen: Ich kenne euch nicht (Matthäus 25, Vers 12).

Nach dem Gottesdienst wurde als Zeichen der Anerkennung und des Dankes dem Priester i. R. Heinrich Marohn (aus der Gem. Stolzenau) anlässlich seines 80. Geburtstages ein Blumenstrauß überreicht.

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ms/khb, hjk