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Orgelentdeckertag in Minden: Eine Königin zum Anfassen

 

„Passt auf die grünen Punkte auf, die zeigen immer nach vorne!“ – Johanna Wimmer wies die Kinder an, während sie konzentriert die filigranen Holzstäbe ihres eigenen Organettos einhängten. Eine Veranstaltung voller Klang, Staunen und Teamarbeit begann.

Am Samstag, 31. Januar 2026, wurde die Neuapostolische Kirche in Minden für mehrere Stunden zu einem Lern- und Erlebnisraum rund um die Pfeifenorgel. Zehn Mädchen und Jungen im Alter zwischen acht und fünfzehn Jahren aus Gemeinden des Kirchenbezirks Minden nahmen am Orgelentdeckertag teil. Das Angebot richtete sich gezielt an die jungen Gemeindemitglieder und sollte ihnen das Instrument Orgel praktisch, verständlich und mit viel Raum zum Ausprobieren näherbringen. Der Orgelentdeckertag ist ein erprobtes Format, das in der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland bereits an verschiedenen Orten umgesetzt wurde. 

Johanna Wimmer leitete den Workshop. Die Musikpädagogin und Organistin verfügt über umfangreiche Erfahrung im Orgelunterricht für Kinder und Jugendliche. Sie ist Kirchenmusikerin, Organistin und hat in Trossingen als Gastdozentin an der Bundesakademie für musikalische Weiterbildung gearbeitet und zahlreiche Workshops rund um Orgelbau und Musikpädagogik geleitet. „Mir ist wichtig, dass Kinder die Orgel selbst entdecken und verstehen, wie die Teile zusammenwirken", erläuterte Wimmer zu Beginn des Tages.

Erste Schritte mit dem Orgelbausatz

Zu Beginn des Tages stand ein großer Flightcase im Mittelpunkt des Geschehens. Gemeinsam öffneten die Teilnehmenden den Transportkoffer und entdeckten darin die Einzelteile eines Organettos, eines transportablen Orgelbausatzes. Schon beim Auspacken wurde deutlich, dass hier kein fertiges Instrument wartete, sondern eine anspruchsvolle Aufgabe. Klaviatur, Pfeifen, Bälge, Windlade, Abstrakten und zahlreiche kleine Bauteile lagen vor den Kindern.

Bevor der erste Handgriff getan wurde, studierte die Gruppe gemeinsam die Aufbauanleitung. Johanna Wimmer erklärte: „Schaut genau hin, wie die Tasten in den Rahmen passen, und drückt sie nicht gewaltsam hinein – sonst können die Abstrakten brechen."

Schritt für Schritt zur eigenen Orgel

Johanna Wimmer zeigte den Kindern jeden einzelnen Arbeitsschritt. Bei jedem Bauteil erklärte sie, welche Funktion es erfüllte und wie alles zusammenpasste. „Jetzt setzen wir die Wellenbretter ein, das kleine kommt nach unten, das große oben drauf", sagte sie, während die Kinder vorsichtig die Schrauben eindrehten.

Besonders viel Aufmerksamkeit erforderte die Traktur. Die filigranen Abstrakten mussten korrekt sortiert und an den vorgesehenen Stellen eingehängt werden. Die Kinder arbeiteten hochkonzentriert, halfen sich gegenseitig und kontrollierten immer wieder gemeinsam ihren Fortschritt. Jeder korrekt sitzende Holzstab wurde aufmerksam verfolgt, jede bewegliche Taste sorgfältig getestet.

Feinmechanik beachten und Teamarbeit üben 

Eine besondere Herausforderung stellten die Abstrakten dar, die in zwei Gruppen angebracht werden mussten. Geduld und Fingerspitzengefühl waren gefragt. Johanna Wimmer wies die Gruppe an: „Passt auf die grünen Punkte auf, die zeigen immer nach vorne, sonst funktioniert die Traktur nicht.“

Mit dem Einbau der Bälge und dem Anschluss der Windanlage nahm das Instrument weiter Gestalt an. Als schließlich die Pfeifen eingesetzt wurden, konnten die Teilnehmenden erstmals erahnen, wie aus den vielen Einzelteilen ein spielbares Instrument entstehen würde. Als das Organetto vollständig aufgebaut vor ihnen stand, waren die Kinder sichtlich stolz.

Musik praktisch erleben

Im Foyer der Kirche wurde das fertige Organetto aufgestellt und sofort intensiv genutzt. Im Wechsel übernahmen die Kinder die Rollen des Organisten, des Kalkanten und des Registranten. Während eine Person die Tasten spielte, sorgte eine andere für den notwendigen Wind und eine dritte veränderte die Klangfarben. „Ihr seht, jede Aufgabe ist wichtig. Nur zusammen klingt die Orgel richtig", erläuterte Wimmer.

Danach wechselte die Gruppe in den großen Kirchensaal. Dort stand die fest installierte Pfeifenorgel der Neuapostolischen Kirche Minden im Mittelpunkt. Johanna Wimmer erklärte die technischen Zusammenhänge und führte die Kinder behutsam an das große Instrument heran. Die Teilnehmenden hörten erste Töne, beobachteten die Spieltischelemente und lernten die Aufteilung in Manuale und Pedal kennen.

Lernen und Ausprobieren an Stationen

Rund um den Kirchensaal, im Foyer und im Mehrzweckraum waren zahlreiche Lern- und Spielstationen aufgebaut. Johanna Wimmer stellte sie den Teilnehmenden vor: „Das könnt ihr alles in Ruhe ausprobieren. Testet die Pfeifen, schaut in die Baupläne, löst die Rätsel – alles gehört zusammen, um die Orgel zu verstehen."

Bücher zu Orgelschulen und Orgelbau lagen ebenso bereit wie Baupläne großer Instrumente und Plakate von Orgelkonzerten. An einer Station konnten die Kinder verschiedene Pfeifen ausprobieren und selbst Töne erzeugen. Rätsel forderten dazu auf, das erworbene Wissen anzuwenden. Ergänzt wurde das Angebot durch Keyboards mit Pedal, Orgel-Memory, Malstationen und weitere kreative Elemente.

Mittagspause und süßer Abschluss

Zur Mittagszeit kam der Gemeindevorsteher, Priester Lars Denker, hinzu. Er hatte das Mittagessen organisiert, das aus Pizza, Rohkost und Muffins bestand. Die Pause bot Gelegenheit zum Austausch und zum Durchatmen, bevor die Kinder anschließend in kleinen Gruppen erneut die Stationen aufsuchten.

Als letzter Programmpunkt stand eine kreative Aufgabe auf dem Plan. Aus Keksen und Schokolade bauten die Teilnehmenden eine eigene kleine Orgel. Schnell wurden Spieltisch, Pfeifen, Windlade und Blasebalg auch in der süßen Variante erkannt und umgesetzt.

Zum Abschluss versammelten sich alle noch einmal am Spieltisch der großen Orgel. Johanna Wimmer ließ sich zu einem kurzen Musikstück überreden, das mit einer sorgfältigen Registrierung den großen Kirchensaal füllte. Alle klatschten begeistert. Auch der Bezirksvorsteher, Priester Oliver Rütten, der zu diesem Tag eingeladen hatte, zeigte sich erfreut über den Verlauf. "Danke, dass du uns die Orgel ein gutes Stück näher gebracht hast, Johanna!" Nach diesem Tag war klar: Die Orgel hatte an diesem Tag neue Freunde gewonnen.

31. Januar 2026
Text: or
Fotos: or

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