Graue Wolken füllen die Wand, Ängste werden beim Namen benannt. Die leuchtende Sonne in der Mitte zeigt: Mit Gott ist Vertrauen stärker als jede Sorge.
Am Sonntag, 25. Januar 2026, kamen Kinder aus dem Kirchenbezirk Minden mit ihren Eltern und Lehrkräften in der Kirche in Petershagen-Lahde zum monatlichen Kindergottesdienst zusammen. Schon vor Beginn des Gottesdienstes füllten sich die Räume mit viel Aktivität.
Die Kinder verteilten sich auf zwei Gruppen, die parallel unterschiedliche Aktivitäten vorbereiteten. Während einige Kinder in der Chorprobe zusammenkamen, nutzten andere einen Nebenraum, um dort einen anspruchsvollen Hindernisparcours aufzubauen. Beides gehörte bewusst zum Gesamtkonzept des Vormittages, der den Glauben an Gott nicht nur in der Predigt erklärend, sondern auch für alle Teilnehmenden erfahrbar in den Mittelpunkt stellte.
Musik und Bewegung
In der Kinderchorprobe stand das gemeinsame Musizieren im Vordergrund. Begleitet von der Orgel probierten die Kinder verschiedene Schlaginstrumente aus. Rasseln, Klangstäbe und weitere Instrumente sorgten für einen vielstimmigen Klang, der dann auch im Gottesdienst hörbar wurde. Rhythmus, Zuhören und das gemeinsame Einsetzen wurden spielerisch eingeübt und stärkten das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Parallel dazu entstand im Nebenraum der Hindernisparcours. Mit Stühlen, Tischen und Schaumstoffelementen bauten die Kinder eine Strecke auf, die später noch eine besondere Rolle spielen sollte. Schon beim Aufbau wurde deutlich, dass Zusammenarbeit und gegenseitige Rücksichtnahme gefragt waren. Die Kinder planten, probierten aus und passten die Wege an – immer mit Blick darauf, dass der Parcours für alle nutzbar sein sollte.
Ein Gottesdienst für Kinder im Kirchenbezirk
„Fürchte dich nicht, glaube nur!“ – das ist die Jahreslosung 2026, die Stammapostel Jean-Luc Schneider zum Jahresbeginn ausgerufen hat und das war auch der Bibeltext (Markus 5,36b), der Grundlage für den Kindergottesdienst war. Im Mittelpunkt stand die biblische Geschichte von Jaïrus, der aus Angst um seine schwerkranke Tochter zu Jesus ging. Die Erzählung mache deutlich, so Priester Oliver Rütten, dass Angst zum menschlichen Leben gehört und auch damals schon von Jesus ernst genommen wurde.
Zugleich zeige die Begebenheit, dass Vertrauen auf Gott helfen kann, mit dieser Angst umzugehen. Jesus wandte sich damals dem hilferufenden Menschen zu und tue dies auch heute. Dabei sei Angst nicht grundlos schlecht. In manchen Situationen schütze sie und bewahre vor Gefahren; aber sie dürfe nicht lähmen und nicht bestimmen, wie wir denken.
Wolken und Sonne mitten im Gottesdienst
Jetzt übernahmen Dorina und Steffi aus dem KiGo-Team die Gestaltung einer gemeinsamen Aktion. Unter dem Titel „Angst-Wolken und Mut-Sonne“ wurde das Predigtthema sichtbar gemacht. Vorne im Kirchenraum stand ein großer Tisch und eine große Plakatwand bereit, dazu graue Wolken aus Tonpapier, eine große gelbe Sonne und Stifte.
Jedes Kind erhielt eine graue Wolke und wurde eingeladen, darauf anonym zu schreiben oder zu malen, wovor es manchmal Angst hat. Die Wolken wurden anschließend auf das Plakat geklebt. Nach und nach füllte sich die Fläche mit unterschiedlichen Sorgen und Ängsten. In die Mitte des Plakats setzten Dorina und Steffi schließlich eine große gelbe Sonne mit der Aufschrift: „Gott, unser Vater, ist größer!“
Im kurzen Gespräch mit den Kindern wurde deutlich gemacht, dass Angst etwas ist, das alle kennen. Gleichzeitig wurde das Bild der Sonne aufgegriffen: So wie die Sonne auch dann da ist, wenn Wolken den Himmel verdecken, ist Gott da, auch wenn Angst das Leben beschwert. Ziel der Aktion war es, den Kindern zu zeigen, dass ihre Gefühle ernst genommen werden und sie mit ihrer Angst nicht allein sind.
Glauben heißt vertrauen
Im weiteren Verlauf der Predigt knüpfte Priester Rütten daran an und vertiefte den Gedanken des Vertrauens. Wenn es auch heute heißt „Fürchte dich nicht, glaube nur!“, dass sei das Zeichen des Vertrauens in Gottes Allmacht. „Gott ist immer größer als das, was Angst macht“, so der Bezirksvorsteher. Im ersten Glaubensartikel kommt das deutlich zu Sprache: Gott ist Vater, der liebt und begleitet, Gott ist der Allmächtige, der stärker ist als Angst, Krankheit und sogar der Tod, und Gott ist Schöpfer, der alles Leben in der Hand hält.
Es wurde deutlich, dass Glauben nicht bedeutet, keine Angst mehr zu haben. Vielmehr geht es darum, sich von der Angst nicht bestimmen zu lassen. Die Kinder wurden ermutigt, sich in Sorgen und Ängsten an Gott zu wenden und ihn um Begleitung zu bitten.
Die Predigt ergänzte der Bezirkskinderbeauftragte, Priester Olaf Frenzel, mit Gedanken die sich auf den Alltag der Kinder bezog.
Vertrauen praktisch erfahren
Nach dem Gottesdienst griffen die Kinder den zuvor aufgebauten Hindernisparcours wieder auf. Nun bekam er eine neue Bedeutung. Die Kinder gingen paarweise durch den Parcours. Ein Kind hatte die Augen verbunden, das andere führte es sicher durch die Hindernisse. Rollenwechsel sorgten dafür, dass jedes Kind sowohl Vertrauen schenken als auch Verantwortung übernehmen konnte.
Schnell wurde spürbar, wie wichtig klare Absprachen und gegenseitige Rücksichtnahme waren. Wer geführt wurde, musste loslassen und sich auf das andere Kind verlassen. Wer führte, lernte, aufmerksam zu sein und den anderen nicht allein zu lassen. Die Erfahrung machte anschaulich, was zuvor im Gottesdienst thematisiert worden war: Vertrauen wächst dort, wo man nicht alles selbst kontrollieren kann.
Im Anschluss an Gottesdienst und Parcours blieben die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrkräften noch zu einem Mittagsimbiss in den Gemeinderäumen. Bei Essen und Gesprächen klang der Vormittag in ruhiger Atmosphäre aus und bot Gelegenheit zum Austausch über das Erlebte.
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